{"id":3856,"date":"2024-06-13T09:41:10","date_gmt":"2024-06-13T07:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3856"},"modified":"2024-06-13T09:41:11","modified_gmt":"2024-06-13T07:41:11","slug":"steht-z-fuer-zukunft-oder-fuer-zumutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/steht-z-fuer-zukunft-oder-fuer-zumutung\/","title":{"rendered":"Steht Z f\u00fcr Zukunft oder f\u00fcr Zumutung?"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist schon wieder passiert: In einer \u00fcberregionalen Zeitung beklagt sich ein Arbeitgeber in weinerlichem Ton \u00fcber die Zumutung, junge Leute aus der Gen Z anstellen und besch\u00e4ftigen zu m\u00fcssen. Als Patron (wohl mit dem Pr\u00e4dikat &#8220;alter Schule&#8221;) kommt er mit den unter 30-J\u00e4hrigen \u00fcberhaupt nicht zurecht. Er bem\u00e4ngelt fehlende Leistungsbereitschaft, Wehleidigkeit und \u00fcbertriebene Forderungen bez\u00fcglich Arbeitsbedingungen, Teilzeit\u00adm\u00f6glich\u00adkeiten, Homeoffice und hohe Anspr\u00fcche beim Sal\u00e4r. Dies sei nicht nur f\u00fcr sein Unternehmen ein Problem, sondern generell ein Zeichen der Degeneration und der Dekadenz, was \u00fcber kurz oder lang die Marktwirtschaft und unseren Wohlstand zugrunde richten werde. Und es handle sich dabei weder um ein lokales oder ein nationales Problem, sondern um eine globale Problematik.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich \u00f6fters mit Kadern oder Personalverantwortlichen unterh\u00e4lt, wird da ein D\u00e9j\u00e0-vu haben: Landauf, landab wird diese Rede gef\u00fchrt. Es ergibt daher Sinn, dem weltweit diskutierten Ph\u00e4nomen Generation Z auf den Grund gehen, womit zwingend auch der Gegenpol, die Baby-Boomer, angesprochen sind. Denn diejenigen, die heute an den politischen und wirtschaftlichen Schalthebeln sitzen, sind zumeist zwischen 1946 und 1964 geboren (so wie auch, ich gestehe, der Verfasser dieser Kolumne).<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-steht-z-fuer-zukunft-oder-fuer-zumutung-20240611#der-blick-ueber-den-tellerrand\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Blick \u00fcber den Tellerrand<\/h2>\n\n\n\n<p>Dazu ein kleiner Exkurs: Letzte Woche durfte ich berufsbedingt ein Dutzend pers\u00f6nlicher Interviews mit jungen IT-Fachkr\u00e4ften aus dem Maghreb und dem Balkan f\u00fchren \u2013 altersm\u00e4ssig alles Gen Z bis h\u00f6chstens Millenials. Ich erlebte sie beim gemeinsamen Workshop, f\u00fchrte mit ihnen aber auch l\u00e4ngere Einzelgespr\u00e4che. Obwohl sehr gut ausgebildet, erleben sie die Berufswelt weder als Schlaraffenland noch als Ponyhof. Vielmehr k\u00e4mpfen sie um die Chance, einen anst\u00e4ndigen und sicheren Job zu finden. Ihr Ziel im Leben ist nicht die &#8220;woke&#8221; Revolution, sondern eine tragf\u00e4hige Basis f\u00fcr eine sp\u00e4tere Familiengr\u00fcndung. Gerade f\u00fcr Frauen schafft ein Beruf in der IT die M\u00f6glichkeit, aus verkrusteten Familien- und Dorfstrukturen auszubrechen und ein selbstbestimmtes Leben zu f\u00fchren, weshalb f\u00fcr sie Bildung einen sehr hohen Stellenwert hat. Und Wissenschaft ist f\u00fcr sie immer noch Wissenschaft und nicht identit\u00e4re Befindlichkeit. Mit Politik wollen sie nichts zu tun haben, f\u00fcr sie ist diese eine Art notwendiges \u00dcbel, das man \u00fcber sich ergehen lassen muss. Je nach Land erschweren ihnen auch staatliche Willk\u00fcr oder Korruption das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon wenige hundert Kilometer von der Schweiz entfernt erweist sich somit das Narrativ von der verw\u00f6hnten und faulen Gen Z als v\u00f6llig unpassend. Bewege ich mich geografisch noch weiter weg von der westlichen Welt, so zerplatzt es wie eine Seifenblase.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zur\u00fcck in der Schweiz stelle ich fest, dass auch hierzulande nicht von einer generell fehlenden Leistungsbereitschaft der Altersgruppe Gen Z gesprochen werden kann. In unseren Betrieben und Berufsschulen wimmelt es von jungen Menschen, die weder \u00fcberrissene Erwartungen haben noch auf der S\u00e4nfte zum hochbezahlten Traumberuf getragen werden wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewiss, medial pr\u00e4sent sind die wenigen Schreih\u00e4lse, welche Unis besetzen oder Strassen blockieren. Sie geh\u00f6ren zwar altersm\u00e4ssig oft zur Gen Z. Aber das heisst keineswegs, dass sie unseren Nachwuchs repr\u00e4sentieren und f\u00fcr ihn sprechen k\u00f6nnen. Alle Zahlen sprechen daf\u00fcr, dass es sich um eine kleine, wenn auch laute Gruppe handelt. Sie sind allerdings nicht der Mainstream, sondern statistische Ausreisser. Deren hohe Medienpr\u00e4senz erm\u00f6glicht es konservativen Unternehmern, die M\u00e4r von der faulen Jugend aufrechtzuerhalten und von eigenen Defiziten abzulenken.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-steht-z-fuer-zukunft-oder-fuer-zumutung-20240611#das-versagen-der-unternehmen\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Versagen der Unternehmen<\/h2>\n\n\n\n<p>Dass n\u00e4mlich jemand hierzulande keine passenden Mitarbeitenden findet, ist aus meiner Sicht kein gesellschaftliches Ungl\u00fcck, sondern erst einmal ein individuelles Versagen des Arbeitgebers. Der Arbeitsmarkt ist, wie das Wort zum Ausdruck bringt, ein Markt. Und dort muss ich mein Angebot so gestalten, dass es nachgefragt wird. Wenn es bedeutet, dass ich h\u00f6here L\u00f6hne bezahlen oder bessere Konditionen anbieten muss, dann ist das so. Vielleicht arbeitet der Betrieb nicht profitabel, die ganze Branche hat zu lange die H\u00e4nde in den Schoss gelegt oder der Staat hat ung\u00fcnstige Rahmenbedingungen geschaffen. Aber es bleibt dabei, dass ich mich als Arbeitgeber nach dem Angebot richten muss. Das m\u00fcssen notabene die Arbeitnehmenden in bestimmten Zeiten auch tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Argumentieren mit ganzen Generationen ist \u00fcberhaupt hochproblematisch \u2013 ganz generell und insbesondere beim Marketing (inklusive Employer Branding). Im Zeitalter der k\u00fcnstlichen Intelligenz sind wir doch l\u00e4ngst nicht mehr auf derart grobe Segmentierungen angewiesen. Aber lasst mich das f\u00fcr eine der n\u00e4chsten Kolumnen aufsparen. Soviel f\u00fcr heute: Arbeitgeber sollten sich in erster Linie selbst am Riemen reissen, statt ihre Probleme auf faulen oder fehlenden Nachwuchs zu schieben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-steht-z-fuer-zukunft-oder-fuer-zumutung-20240611\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-steht-z-fuer-zukunft-oder-fuer-zumutung-20240611\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201c<\/a><em>\u00a0auf inside-it.ch und wurde teilweise mit KI recherchiert und optimiert.\u00a0Illustration: <a href=\"https:\/\/openai.com\/index\/dall-e-3\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/openai.com\/index\/dall-e-3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dall-E<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon wieder passiert: In einer \u00fcberregionalen Zeitung beklagt sich ein Arbeitgeber in weinerlichem Ton \u00fcber die Zumutung, junge Leute aus der Gen Z anstellen und besch\u00e4ftigen zu m\u00fcssen.&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3857,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-3856","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ict"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3856","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3856"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3856\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3859,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3856\/revisions\/3859"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3857"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3856"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}