{"id":3831,"date":"2024-03-13T08:57:43","date_gmt":"2024-03-13T07:57:43","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3831"},"modified":"2024-03-13T09:20:48","modified_gmt":"2024-03-13T08:20:48","slug":"wie-medien-zu-geld-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/wie-medien-zu-geld-kommen\/","title":{"rendered":"Wie Medien zu Geld kommen"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit einigen Monaten finden die Leserinnen und Leser von inside-it.ch einen roten Button oben rechts auf der Website: <a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/donation\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8220;Jetzt unterst\u00fctzen.&#8221;<\/a> Wie ich weiss, wird er auch tats\u00e4chlich genutzt. Die Finanzierung der Medien steht damit auch auf dem News-Portal zur Diskussion, auf welchem meine Blogtexte vorweg publiziert werden. Ganz allgemein hat das Thema wieder mehr Konjunktur als auch schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Halbierungsinitiative zu den SRG-Geb\u00fchren, samt bundesr\u00e4tlichem Gegenvorschlag, wirft bereits jetzt ihren Schatten voraus. Anfang Jahr hat das Bundesamt f\u00fcr Kommunikation (Bakom) die Konzessionen bei den Regionalfernseh-Stationen und Lokalradios neu verteilt, was mit einigen publizistischen und juristischen Nebenger\u00e4uschen verbunden war. Und die Eidgen\u00f6ssische Medienkommission hat sich k\u00fcrzlich ebenfalls zur Medienpolitik vernehmen lassen. Ihre Ausf\u00fchrungen zeugen allerdings vor allem vom Bem\u00fchen, das Fell des B\u00e4ren zu waschen, ohne ihn nass zu machen: Es soll alles so bleiben, wie es ist, einfach mit h\u00f6heren Subventionen.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-wie-medien-zu-geld-kommen-20240312#die-srg-als-schwarzes-loch\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die SRG als schwarzes Loch<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Elefant im Raum ist die SRG, welche \u00fcber 60% der Bundesmittel von CHF 1,6 Milliarden Franken in diesem Bereich verschlingt. Die Aktivit\u00e4ten der SRG gehen weit \u00fcber den sogenannten Service Public hinaus, wie auch immer man ihn definiert. Bei 17 Radio- und 8 TV-Programmen, unz\u00e4hligen Podcasts, Social-Media-Kan\u00e4len und Nachrichtenseiten geht es eher um fl\u00e4chendeckende Berieselung. Kein Wunder, haben es die privaten Regionalsender und Webportale schwer, sich zu behaupten. Diese Dampfwalzen-Strategie zieht sich bis in die neueste Zeit weiter. So wurde soeben bekannt, dass die SRG Web-Crawler von ChatGPT nicht ausschliesst, w\u00e4hrend kommerzielle Medien (nat\u00fcrlich!) ihren Content f\u00fcr ChatGPT sperren und damit sch\u00fctzen. Damit tr\u00e4gt die SRG einmal mehr dazu bei, dass es f\u00fcr ihre privaten Mitbewerber schwieriger wird, ihre Inhalte zu verkaufen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Besonders geschickt ist die SRG dabei, auf die Tr\u00e4nendr\u00fcse zu dr\u00fccken. Wenn sie nicht weiter eine Milliarde erhalte, sei die Demokratie in Gefahr, die offenbar nur von der SRG am Leben erhalten wird. Allerdings kann der von der SRG immer wieder beklagte Finanzdruck nicht so dramatisch sein, wenn es sich das Fernsehen SRF leisten kann, wie wieder vor wenigen Tagen beobachtet, f\u00fcr Publikumsumfragen in der Bahnhofstrasse ein Dreierteam mit Dienstfahrzeug aufzubieten, w\u00e4hrend dies bei Tele Z\u00fcri seit Jahr und Tag eine Person (mit ZVV-Abo) bewerkstelligt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe zu, das ist eine anekdotische Evidenz. Doch um die SRG soll es heute nicht prim\u00e4r gehen, sondern vielmehr um die irrlichternde Schweizer Medienpolitik, die damit beginnt, dass zwei Bundes\u00e4mter aus zwei Departementen Bundessubventionen f\u00fcr Massenmedien auszahlen: das Bundesamt f\u00fcr Kultur und das Bakom. Einerseits entspricht es einem universellen Gesetz der B\u00fcrokratie, dass keine Beh\u00f6rde bereit ist, auf bisherige Aufgaben zu verzichten. Andererseits zeugt dieses Wirrwarr von der Schwierigkeit zu definieren, was \u00fcberhaupt Medien beziehungsweise Massenmedien sind.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-wie-medien-zu-geld-kommen-20240312#es-braucht-keine-druckerpresse-mehr\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es braucht keine Druckerpresse mehr<\/h2>\n\n\n\n<p>Die technische Entwicklung der letzten Jahre hat die bisherige Abgrenzung illusorisch werden lassen. Fr\u00fcher war klar, nur wer \u00fcber eine Druckerpresse oder sp\u00e4ter \u00fcber einen Radio- bzw. TV-Sender verf\u00fcgt, betreibt ein Medium. Es brauchte eine umfangreiche Organisation, um Nachrichten zu suchen, aufzubereiten, zu kommentieren und zu verteilen. Solche Grossbetriebe konnte man erfassen, kontrollieren und subventionieren. Heute gen\u00fcgt ein Kanal auf Telegram, um als Einzelperson all diese Funktionen zu erf\u00fcllen. Wobei der Standort dieser Person irgendwo auf der Welt sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig l\u00f6sen sich Begriffe wie Wahrheit und Realit\u00e4t, die f\u00fcr das herk\u00f6mmliche Medienverst\u00e4ndnis fundamental sind, zunehmend auf. Wissenschaft ist keine Basis mehr f\u00fcr gemeinsame Erkenntnis, sondern ein kolonialistisches Konstrukt alter weisser M\u00e4nner. Wahr und real ist nur, was in meinem Weltbild Platz hat. Beide Faktoren \u2013 die Einfachheit, Medien zu betreiben und die zunehmende Einkapselung in kleinteilige Bubbles \u2013 verst\u00e4rken sich auf unselige Weise gegenseitig. Vielleicht streben wir auf eine Welt zu, in welcher jeder sein eigenes Medium betreibt und dabei nur noch das glaubt, was er selbst verbreitet\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden ist auch eine Reform bei der Regulierung und Subventionierung von Medien eigentlich politisch unm\u00f6glich geworden. Dies ist wohl auch eine der Lehren aus dem Urnengang von 2022: Damals schickte der Souver\u00e4n ein Mediengesetz bachab, das zwar verungl\u00fcckt war, aber immerhin zum ersten Mal elektronische Medien wie zum Beispiel inside-it.ch als (zumindest \u00e4hnlich) gleichwertig zu Print anerkannt h\u00e4tte. Und so ist das wichtigste Element der Medienf\u00f6rderung heute weiterhin das Einr\u00e4umen von verg\u00fcnstigten Posttarifen f\u00fcr die Zustellung von gedruckten Medien.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut, das ist immer noch besser als das \u00f6sterreichische Modell, bei dem die Regierung staatliche Inseratekampagnen zu den Medien lenkt, die ihre Politik am wohlwollendsten publizistisch begleiten.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-wie-medien-zu-geld-kommen-20240312#wieso-keine-individuellen-gutscheine\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wieso keine individuellen Gutscheine?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn man denn glaubt, dass \u00f6ffentliche Mittel f\u00fcr Medien tats\u00e4chlich unerl\u00e4sslich sind, dann gibt es eigentlich nur eine vern\u00fcnftige L\u00f6sung bei gleichem Mitteleinsatz: Jede erwachsene Person mit Aufenthaltsrecht in der Schweiz erh\u00e4lt einen Gutschein f\u00fcr CHF 200, der auf Medien verteilt werden kann, die ihren Sitz in der Schweiz haben, ihre Eigent\u00fcmerschaft offenlegen und sich den Grunds\u00e4tzen des Presserates unterstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-wie-medien-zu-geld-kommen-20240312\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-wie-medien-zu-geld-kommen-20240312\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch&#8221;<\/a><em>\u00a0auf inside-it.ch und wurde teilweise mit KI recherchiert und optimiert.\u00a0Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@spaablauw?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Joppe Spaa<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/schwarze-kamera-auf-stativ-im-tilt-shift-objektiv-LHHA9mrdDFI?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Unsplash<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Monaten finden die Leserinnen und Leser von inside-it.ch einen roten Button oben rechts auf der Website: &#8220;Jetzt unterst\u00fctzen.&#8221; Wie ich weiss, wird er auch tats\u00e4chlich genutzt. 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