{"id":3813,"date":"2023-11-15T13:51:36","date_gmt":"2023-11-15T12:51:36","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3813"},"modified":"2023-11-15T13:51:37","modified_gmt":"2023-11-15T12:51:37","slug":"freemium-der-schnelle-ausweg-fuer-b2b-startups","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/freemium-der-schnelle-ausweg-fuer-b2b-startups\/","title":{"rendered":"Freemium, der schnelle Ausweg f\u00fcr B2B Startups?"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor einiger Zeit war ich als Zaungast dabei, als sich das gesamte Team eines Startups zum ersten Mal nach der Lancierung ihres Produkts traf, um den aktuellen Stand und die n\u00e4chsten Schritte zu besprechen. Es handelt sich um ein SaaS-Angebot (Software as a Service) im B2B-Bereich, und im Team sind mehr als ein Dutzend Nationen vertreten (ja, es hat sogar Schweizer dabei).<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, an dieser Vollversammlung wird klar, dass es \u2013 wie so oft bei Startups \u2013 im Verkauf und im Marketing hapert. Die Kunden stehen offenbar nicht Schlange, um Lizenzen f\u00fcr diese neue, innovative Software zu kaufen. Nervosit\u00e4t macht sich breit, und man diskutiert \u00fcber alle Hierarchiestufen und Abteilungen hinweg intensiv, was zu tun sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein junger Programmierer steht auf und schl\u00e4gt vor, auf Freemium zu setzen. Die Firma solle doch eine abgespeckte Version der Software kostenlos anbieten, damit m\u00f6glichst viele potenzielle Kunden selbst erfahren, wie toll das Produkt ist. Der Gesch\u00e4ftserfolg sei dann gesichert, wenn nur schon ein kleiner Teil der Gratisnutzer auf die kostenpflichtige Version umsteigt, um den vollen Funktionsumfang zu nutzen. &#8220;Wenn das bei Dropbox, WordPress, Mailchimp und Slack funktioniert hat, dann k\u00f6nnen wir das doch auch!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Anwesenden sind sofort Feuer und Flamme. Sie fordern das Management auf, diesen Weg einzuschlagen, obwohl sich der C-Level gar nicht begeistert zeigt. Pl\u00f6tzlich ist die Stimmung angespannt. Doch zum Gl\u00fcck ist dann die Zeit um und das Abendprogramm lockt, Sushi und Karaoke-Night!<\/p>\n\n\n\n<p>Es war damals weder meine Rolle noch meine Aufgabe, die Problematik zu beleuchten und darauf hinzuweisen, wie riskant und gef\u00e4hrlich dieser Schritt w\u00e4re. Und ich wusste, dass das Management erfahren genug war, um sich nicht auf ein solches Abenteuer einzulassen. Aber weil das Thema Freemium auch in etablierten Unternehmen immer wieder herumgeistert, m\u00f6chte ich hier kurz entwickeln, weshalb in F\u00e4llen wie diesem Gratisversionen nicht funktionieren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"is-style-default wp-block-list\">\n<li>Zun\u00e4chst ist es \u00e4usserst schwierig, den Funktionsumfang der Freemium-Version festzulegen. Bietet man zu wenig, lohnt sich der Einstieg f\u00fcr den interessierten Nutzer nicht, bietet man zu viel, kommen die meisten Nutzer mit der kostenlosen Version aus.<\/li>\n\n\n\n<li>B2B-Anwendungen sind in der Regel relativ komplex und richten sich an Spezialisten. Hier kommt ein zweites Dilemma ins Spiel: Ich kann es mir nicht leisten, die Gratis-User zu schulen und zu betreuen, sie m\u00fcssen selbst herausfinden, wie die Software funktioniert (&#8220;Self-Onboarding&#8221;). Wenn ich sie aber nicht richtig einf\u00fchren kann, werden sie den Wert der Software nicht erkennen. Bei Slack und Dropbox zum Beispiel stellt sich das Komplexit\u00e4tsproblem kaum, bei WordPress und Mailchimp schon.<\/li>\n\n\n\n<li>B2B-Anwendungen legen Wert auf ein Qualit\u00e4tsimage, versprechen st\u00e4ndige Optimierung, tolle UX, exzellenten Kundenservice und einzigartige Features. Wie vertr\u00e4gt sich das mit einer kostenlosen Version des gleichen Produkts?<\/li>\n\n\n\n<li>Einerseits gilt: &#8220;Was nichts kostet, ist nichts wert.&#8221; Andererseits versuchen die Nutzer der Gratisversion so lange wie m\u00f6glich damit auszukommen. Sie freuen sich \u00fcber die eingesparten Abo-Kosten und verdr\u00e4ngen die Vorteile, die ihnen die kostenpflichtige Version bieten w\u00fcrde. Diese Geiz-ist-geil-Mentalit\u00e4t hat sich in den letzten Jahren auch in der Schweiz stark verbreitet. Die H\u00fcrde f\u00fcr die Umstellung auf das Bezahlmodell bleibt also hoch, auch wenn dank der vielen Gratis-User ein gef\u00fcllter Funnel zur Verf\u00fcgung steht.<\/li>\n\n\n\n<li>B2B-Applikationen sind in der Regel auch nicht f\u00fcr die Nutzung durch Einzelanwender gedacht, sondern entfalten ihren Nutzen erst im Unternehmenseinsatz. Dies schliesst eine inoffizielle Nutzung im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schatten-IT\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schatten-IT<\/a> nahezu aus. Damit kommen Fragen des Datenschutzes und der Cybersicherheit ins Spiel. Mit anderen Worten: Die Nutzung der Software bedarf der Freigabe durch die Gesch\u00e4ftsleitung. Und wer st\u00f6sst schon diesen Prozess f\u00fcr eine kostenlose Version an?<\/li>\n\n\n\n<li>Da sich der Markt rasant weiterentwickelt, kann auch eine kostenlose Version nicht einfach auf dem aktuellen Stand eingefroren werden, sondern muss ebenfalls weiterentwickelt werden und verursacht auch im Betrieb Kosten: Die kostenlosen 2 GB von Dropbox werden von rund 700 Millionen Menschen genutzt (rechne!), wovon nur knapp 2% zu den zahlenden Kunden geh\u00f6ren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ja, Freemium kann ein effektives Marketinginstrument sein, um den Funnel zu f\u00fcllen und einen qualifizierten Zugang zu potenziellen K\u00e4ufern zu erhalten. Allerdings k\u00f6nnen wir in Europa mit unseren eher kleinen Heimatm\u00e4rkten und den meist im B2B-Bereich t\u00e4tigen Softwareunternehmen damit kaum punkten. Die Netzwerkeffekte sind zu gering und auch eine Werbefinanzierung ist selten m\u00f6glich. In der Regel ist es daher deutlich geschickter, ein kostenloses Probeabonnement f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt also dabei, dass das oben erw\u00e4hnte Unternehmen, bei dem ich als externer Moderator t\u00e4tig war, wohl oder \u00fcbel versuchen muss, Marketing und Vertrieb in den Griff zu bekommen, ohne den schnellen, aber potenziell t\u00f6dlichen Ausweg \u00fcber Freemium zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-freemium%2C-der-schnelle-ausweg-20231114\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch&#8221;<\/a><em>\u00a0auf inside-it.ch und wurde teilweise mit KI recherchiert und optimiert.\u00a0Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@edwinhooper?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\">Edwin Hooper<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/rot-weisses-stoppschild-TJ9rBJAAguQ?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\">Unsplash<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit war ich als Zaungast dabei, als sich das gesamte Team eines Startups zum ersten Mal nach der Lancierung ihres Produkts traf, um den aktuellen Stand und die&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3803,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[83,110],"tags":[],"class_list":["post-3813","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ict","category-startups"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3813"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3814,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3813\/revisions\/3814"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3803"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}