{"id":3795,"date":"2023-10-18T19:42:35","date_gmt":"2023-10-18T17:42:35","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3795"},"modified":"2023-10-18T19:42:36","modified_gmt":"2023-10-18T17:42:36","slug":"blattkritik-schweizer-monat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/blattkritik-schweizer-monat\/","title":{"rendered":"Blattkritik Schweizer Monat"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"is-style-default\"><strong>Die Redaktion des Schweizer Monats hat mich gebeten, die Ausgabe von Oktober 2023 f\u00fcr sie zu beurteilen. Im Anschluss an eine m\u00fcndliche Besprechung mit dem Team habe ich meine Beurteilung f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/schweizermonat.ch\/blattkritik-ueber-die-oktober-ausgabe-2\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/schweizermonat.ch\/blattkritik-ueber-die-oktober-ausgabe-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Website des Mediums<\/a> noch schriftlich abgegeben: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abZur\u00fcck zum Zukunftsoptimismus\u00bb verk\u00fcndet auf der Titelseite Claude Longchamp, aber bereits das Inhaltsverzeichnis gibt massiv Gegendruck mit einem Dossier \u00fcber den \u00ab\u2026drohenden Abstieg\u00bb. Was jetzt nun? Schauen wir mal!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schweizer Monat ist f\u00fcr mich publizistischer Bannertr\u00e4ger des liberalen Geistes in unserem Land und mit dieser Brille lese ich ihn. Dazu finde ich auch in dieser Ausgabe viel Interessantes und Merkenswertes, allerdings auch immer mal wieder Flachsinn und Geschwurbel, was insofern seinen Platz hat, als es die Qualit\u00e4t des grossen Rests hervorhebt. Der Schweizer Monat bietet mir auch in dieser Ausgabe Wissen, Unterhaltung, und ganz viel Meinung. So stimmt es f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Teil des Heftes ist \u00abstarken Frauen\u00bb gewidmet. Und in der Tat kommen solche hier zu Wort. Val\u00e9rie Litz bringt h\u00e4lt ein dezidiertes Pl\u00e4doyer (sie ist schliesslich angehende Juristin) gegen das feministische Patriarchat, das den gesellschaftlichen Diskurs pr\u00e4gt. Ihr st\u00f6sst auf, dass Frauen als schwache und hilflose Wesen behandelt und so an der Selbsterm\u00e4chtigung gehindert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch energischer ist die von Andrea Seaman interviewte englische Aktivistin Posie Parker unterwegs, welche apodiktisch feststellt: \u00abEs gibt keine Transmenschen\u00bb. Wo anderswo aus Angst vor dem Shitstorm verwedelt wird, redet sie Klartext und k\u00e4mpft f\u00fcr Frauenrechte, trotz zahlreicher Anfeindungen. Auch die Philosophin Elena Louisa Lange setzt einen starken Akzent \u2013 sie d\u00fcrfte mit ihren Positionen zu Inklusion wohl h\u00e4ufig anecken, obwohl \u2013 oder gerade weil \u2013 sie recht hat. Melanie H\u00e4ner vom Institut f\u00fcr Wirtschaftspolitik punktet hingegen mit Facts zur Gesundheitspolitik. F\u00fcr mich neu war der von ihr zitierte internationale Vergleich zum \u00abAnteil des unerf\u00fcllten Bedarfs an medizinischen Leistungen\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und auch M\u00e4nner kommen zu Wort. Pr\u00e4gnant \u00e4ussert sich Milizoffizier Christoph H\u00fcrlimann zur jahrzehntelangen Demontage unserer Armee durch Politiker und B\u00fcrokraten. Und unverw\u00fcstlich eloquent erkl\u00e4rt uns im Interview Nationaldemoskop Claude Longchamp die langj\u00e4hrigen Zyklen des W\u00e4hlerverhaltens.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte die Blattkritik hier aufh\u00f6ren, denn jedenfalls bei mir ist der Schweizer Monat nicht bekannt f\u00fcr sein Feuilleton. Sehr zu Unrecht, wenn man diese Ausgabe liest, denn sie bringt drei Highlights. Es beginnt mit Patrick B\u00fcrglers Analyse der modernen TV-Serien, welche die Leistung der Schweizer Filmer im Spannungsfeld zwischen SRF und Netflix ausleuchtet. Von \u00abMotel\u00bb bis \u00abWilder\u00bb kommt der Serienjunkie (Selbstdeklaration) zum Schluss, dass uns das einheimische Schaffen auch ohne patriotische Brille Einiges zu bieten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu passt der zweite Beitrag, ein Interview von Vojin Sa\u0161a Vukadinovi\u0107 mit dem Schweizer Filmregisseur Michael Steiner, der nun erstmals selbst eine Serie dreht. Er prangert die typisch europ\u00e4ische Unterscheidung zwischen kommerziellem Film und \u00abAutorenkino\u00bb an, welche an der Realit\u00e4t vorbeigeht. Und nat\u00fcrlich kommt er mit Genuss auf die verfehlten Diversity-Vorgaben der Z\u00fcrcher Filmstiftung zur\u00fcck. Glanzst\u00fcck des Beitrags ist allerdings das Foto, dass der Interviewer von Steiner geschossen hat: Den normalerweise nur im Glitzersmoking auftretenden Regisseur sieht man hier ganz privat im Schlabberlook mit Badelatschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es kommt noch besser: Die Kurzgeschichte von Joseph W\u00e4lzholz hat mich begeistert: Eigentlich geht es nur um eine sehr private Erz\u00e4hlung \u00fcber die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn Verwandte pflegebed\u00fcrftig werden und es auf das Ende zugeht. Dabei tauchen Fragen auf, die uns wohl alle irgendwie besch\u00e4ftigen werden, aber auch sozial- und gesundheitspolitische Problemzonen werden angesprochen. In einem n\u00fcchternen und sehr pers\u00f6nlichen Stil entwickelt der Autor eine Handlung, welche sich immer mehr steigert. Wenn man denkt, schlimmer oder verr\u00fcckter kann es nicht mehr kommen, folgt eine weitere Drehung an der Schraube.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Oktoberausgabe des Schweizer Monats bringt alles in allem eine geballte Ladung Lesevergn\u00fcgen mit starken Meinungen und viel Munition f\u00fcr liberales Argumentieren. Hoffen wir, dass das angek\u00fcndigte neue Konzept des Schweizer Monats (als \u00abSchweizer Quartal\u00bb) das Niveau halten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Redaktion des Schweizer Monats hat mich gebeten, die Ausgabe von Oktober 2023 f\u00fcr sie zu beurteilen. 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