{"id":3766,"date":"2023-06-13T13:06:17","date_gmt":"2023-06-13T11:06:17","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3766"},"modified":"2023-06-13T13:06:18","modified_gmt":"2023-06-13T11:06:18","slug":"geld-oder-gewissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/geld-oder-gewissen\/","title":{"rendered":"Geld oder Gewissen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein schlechtes Gewissen wegen der zwei SUV in der Garage und dem Shoppingwochenende nach New York? Dagegen gibt es ein probates Mittel: Nachhaltige Geldanlagen. Denn neuerdings erkl\u00e4ren uns die Gr\u00fcnen, dass es beim Klimaschutz nicht in erster Linie auf das pers\u00f6nliche Verhalten ankommt, sondern dass allein die b\u00f6sen Grosskonzerne f\u00fcr die Erderw\u00e4rmung verantwortlich sind. Neben der Rohstoff- und Energie-Wirtschaft stehen auch IT-Konzerne auf der Anklagebank. Mit dieser neuen Strategie rechtfertigen &#8220;Letzte Generation&#8221; &amp; Co. zum Beispiel ihren Badeurlaub auf Bali zwischen zwei Verkehrsblockaden, aber es steckt mehr dahinter.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kapitalisten mit eigenen Waffen schlagen<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend einige wenige die Strassen blockieren, setzt der gr\u00fcne Mainstream vern\u00fcnftigerweise auf weniger rabiate Methoden: Die Konzerne sollen mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden: &#8220;Am besten, wir nehmen ihnen das Geld weg, so funktioniert der Kapitalismus! \u00d6ffentliche und private Gelder d\u00fcrfen nur noch an Unternehmen vergeben werden, die das Klima nicht sch\u00e4digen oder noch besser, die dazu beitragen, den CO2-Fussabdruck zu verringern. Damit wir die Geldstr\u00f6me richtig lenken k\u00f6nnen, m\u00fcssen uns die Finanzinstitute gr\u00fcne Kapitalanlagen anbieten&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweifellos eine gute Idee. Allerdings mit einigen Pferdef\u00fcssen. Und wenn uns das 21. Jahrhundert etwas gelehrt hat, dann das: Die Finanzindustrie ist selten Teil der L\u00f6sung, sondern meist Teil des Problems.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es eine Tatsache ist, dass Anleger nicht auf Rendite verzichten wollen \u2013 seien es Privatanleger oder Institutionelle wie Pensionskassen \u2013 erz\u00e4hlen ihnen die Finanzinstitute, dass gr\u00fcne Anlagen mehr Rendite abwerfen als normale. Die Argumentation geht so: Je gr\u00fcner ein Unternehmen ist, desto h\u00f6here Ertr\u00e4ge verspricht dies langfristig. Damit wird der Anleger eine Outperformance gegen\u00fcber den Klimas\u00fcndern erzielen. Mit denen will niemand mehr etwas zu tun haben und \u00fcber kurz oder lang werden sie verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Win-win f\u00fcr eine bessere Welt<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Anleger tut mit seinem gr\u00fcnen Investment Gutes und profitiert zus\u00e4tzlich erst noch von h\u00f6heren Renditen und Kursgewinnen. Win-win, was will man mehr? Und \u00fcber kurz oder lang leben wir alle in einer besseren Welt, in der es nur noch gr\u00fcne Unternehmen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur leider ist das zu kurz gedacht: Wenn sich alle auf die gr\u00fcnen Investments st\u00fcrzen, muss auch der entsprechende B\u00f6rsenkurs (gemessen an den erwirtschafteten Ertr\u00e4gen) steigen. Und bei den &#8220;Dreckschleudern&#8221; f\u00e4llt der Kurs, weil sie ein negatives Image haben und weniger nachgefragt werden. Mit anderen Worten: Ich bezahle mehr f\u00fcr gr\u00fcne Anlagen, um eine bestimmte Dividende (oder andere Ertr\u00e4ge) zu erwirtschaften. Gegen\u00fcber dem Anleger, der bei den &#8220;Schmutzfinken&#8221; investiert und einen geringeren Preis pro Ertragseinheit bezahlt, verliere ich also Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>Es mag zwar sein, dass diese Unternehmen langfristig keine Zukunft haben (zum Beispiel, weil das \u00d6l zur Neige geht oder das Rauchen verboten wird), aber es gibt solide wissenschaftliche Belege daf\u00fcr, dass sie kurz- und mittelfristig deutlich h\u00f6here Renditen erwirtschaften als &#8220;saubere&#8221; Unternehmen. Gerade in der IT erwischt der Klimabann aber auch Firmen, die durchaus auch langfristig Potenzial haben. So verbannen die meisten gr\u00fcnen Fonds Apple, Meta (Facebook) und Amazon konsequent von ihrer Anlagenliste.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geb\u00fchren nicht vergessen<\/h2>\n\n\n\n<p>Das bringt uns zum zweiten Pferdefuss, den Geb\u00fchren. Da gr\u00fcne Anlagen &#8220;in&#8221; sind und von Medien, NGO und Anlageberatern gehypt werden, sind sie stark nachgefragt, weshalb entsprechende Fonds h\u00f6her bepreist werden. Das wiederum verteuert gr\u00fcne Geldanlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte Problem besteht darin, dass gr\u00fcne Produkte tendenziell eher aktiv als passiv gemanagt werden, da aus dem Anlageuniversum eine Auswahl getroffen werden muss, was zus\u00e4tzliche Kosten verursacht, die sich ebenfalls negativ auf die Performance auswirken. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass aktives Management mindestens viermal so teuer ist wie passives, was in Zeiten niedriger Zinsen ein absoluter Killer war, aber auch im aktuellen Umfeld stark ins Gewicht f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Doch was ist \u00fcberhaupt &#8220;gr\u00fcn&#8221;?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ungekl\u00e4rt ist auch die Frage, was \u00fcberhaupt eine &#8220;gr\u00fcne&#8221; Kapitalanlage ist. Regulierungen dazu sind auf dem Weg, auch unsere Finanzmarktaufsicht (Finma) engagiert sich mittlerweile gegen &#8220;Greenwashing&#8221;. Aber selbst sie kann sich der grunds\u00e4tzlichen Problematik nicht entziehen, dass es gar nicht so einfach ist, zu definieren, was nachhaltig ist. So hat k\u00fcrzlich die EU-Kommission auch Kernenergie und Erdgas als gr\u00fcn eingestuft, was aus Sicht der mittelfristigen Versorgungssicherheit durchaus vern\u00fcnftig, f\u00fcr viele gr\u00fcne Fundis aber inakzeptabel ist. Und welche Regulierung auch immer kommt, sie wird die &#8220;Produktionskosten&#8221; f\u00fcr gr\u00fcne Anlagen nicht senken, im Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist klar: &#8220;There is no such thing as a free lunch!&#8221; Gr\u00fcnes Investieren kostet Rendite. Nichts im Leben ist umsonst, auch nicht der vielbeschworene &#8220;Impact&#8221; und schon gar nicht ein gutes Klimagewissen. Aber das sollte uns schon etwas wert sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-geld-oder-gewissen-20230613\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-ein-gutenberg-moment-20230509\" target=\"_blank\">\u201d<\/a> auf inside-it.ch. Foto von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/unsplash.com\/@towfiqu999999?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\" target=\"_blank\">Towfiqu barbhuiya<\/a> auf <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/joqWSI9u_XM?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\" target=\"_blank\">Unsplash<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein schlechtes Gewissen wegen der zwei SUV in der Garage und dem Shoppingwochenende nach New York? Dagegen gibt es ein probates Mittel: Nachhaltige Geldanlagen. 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