{"id":3759,"date":"2023-05-14T14:08:55","date_gmt":"2023-05-14T12:08:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3759"},"modified":"2023-05-14T14:09:54","modified_gmt":"2023-05-14T12:09:54","slug":"ein-gutenberg-moment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/ein-gutenberg-moment\/","title":{"rendered":"Ein Gutenberg-Moment?"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mich lange dagegen gestr\u00e4ubt, in den Chor der ChatGPT-Erkl\u00e4rerinnen und -Erkl\u00e4rer einzustimmen. Aber jetzt ist der Moment gekommen, in dem ich schlicht keine Wahl mehr habe, da sich selbst der Chefredaktor von inside-it.ch <a href=\"https:\/\/contentview.page\/winsider\/publication\/73062\/email\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">einen Newsletter von diesem Tool schreiben l\u00e4sst<\/a> (zumindest testweise, einmalig und deklariert).<\/p>\n\n\n\n<p>ChatGPT hat k\u00fcrzlich mit der Version 4.0 und mit der Integration in Bing.com (f\u00fcr angemeldete Microsoft-User auf dem Browser Edge) einen grossen Sprung gemacht. Es ist nun auch f\u00fcr Nicht-Nerds einfach nutzbar und besser referenziert. Eine Auseinandersetzung mit diesem Tool ergibt jetzt wirklich Sinn, da sich konkrete Anwendungen aus dem Nebel des Hypes erheben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich spreche im Folgenden zwar immer von ChatGPT, das ich der Einfachheit halber als Gattungsbegriff behandle. Ich bin mir bewusst, dass es noch andere \u00e4hnliche Produkte gibt, die jedoch bez\u00fcglich Reife und Reichweite noch nicht so weit sind.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-ein-gutenberg-moment-20230509#noch-bleibt-der-normalbuerger-verschont\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Noch bleibt der Normalb\u00fcrger verschont<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie immer, wenn eine neue Technologie aufkommt, werden sowohl Chancen als auch Gefahren \u00fcberbewertet. Medien und Experten punkten ja vor allem dann, wenn sie mit Superlativen aufwarten k\u00f6nnen. Fragen wir daher einen neutralen Experten. In einer von mir initiierten Selbstdeklaration beschreibt sich das Tool wie folgt: <em>&#8220;ChatGPT ist eine Art Zauberstab f\u00fcr Texte. Du sagst ihm, was du schreiben willst, und er macht es f\u00fcr dich. Klingt super, oder?&#8221;<\/em> Zusammengefasst: ChatGPT macht nichts anderes als schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist somit ein Internet-Ph\u00e4nomen, das so weit von der echten Welt entfernt ist wie die Erde vom Mond. In der echten Welt m\u00fcssen wir n\u00e4mlich W\u00e4rmepumpen installieren, K\u00fche melken, Haare schneiden, Fondue kochen, Kranke pflegen, Auto fahren oder Fangen spielen. Das sind alles Dinge, die ChatGPT nicht kann und auch nicht versteht. Wir (als Leserinnen und Leser von inside-it.ch) sind zwar m\u00f6glicherweise begeistert von einer Technologie, die uns erlaubt, mit einem Computer zu plaudern, aber wir sind damit vermutlich ziemlich allein. Viele Menschen werden die Entwicklung der Technologie wohl erst nach und nach, h\u00e4ppchenweise in transformierter und verd\u00fcnnter Form mitbekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ChatGPT wird auch andere Bereiche der Technik voranbringen, wie zum Beispiel Sensorik, Robotik und Gentechnik. Diese Disziplinen werden wiederum von Tools wie ChatGPT &amp; Co. enorm profitieren und viel effizienter werden: So ist der ChatGPT-Entwickler OpenAI gegenw\u00e4rtig daran, ein neues Text-zu-3D-Modell zu lancieren, das Shap-E heisst. Damit kann man zum Beispiel schreiben: &#8220;Ich m\u00f6chte eine Tasse mit einem Elefanten drauf&#8221; und schon hat man eine Tasse mit einem Elefanten drauf. Zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das Ganze noch etwas pixelig und grobschl\u00e4chtig aus.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-ein-gutenberg-moment-20230509#wer-ist-wirklich-betroffen\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer ist wirklich betroffen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer allerdings beruflich mit der Produktion oder Verarbeitung von Texten sein Geld verdient (zum Beispiel als Journalist oder Autor), der muss sich warm anziehen und sich heute schon \u00fcberlegen, was dies f\u00fcr seine berufliche Entwicklung bedeutet. In besonderem Mass sind wohl Auftragstexter aus Werbung, PR und Corporate Publishing betroffen. Dabei geht es nicht unbedingt darum, Produkte vollumf\u00e4nglich von ChatGPT schreiben zu lassen, aber f\u00fcr das Brainstormen, f\u00fcr das Recherchieren, f\u00fcr das Zusammenfassen von Quellen oder f\u00fcr redaktionelle Arbeiten liefert ChatGPT sehr viel schneller und umfassender gute Resultate.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-ein-gutenberg-moment-20230509#ein-must-fuer-softwareentwickler\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Must f\u00fcr Softwareentwickler<\/h2>\n\n\n\n<p>Was hingegen revolutioniert wird \u2013 und zwar per sofort \u2013 ist die Softwareentwicklung. Denn Software ist ja letztlich auch nur Text (wenn auch ein spezieller). Da ich nicht Allgemeinpl\u00e4tze von mir geben m\u00f6chte, habe ich bei einem der Start-ups nachgefragt, bei denen ich engagiert bin, wie ChatGPT schon heute ganz konkret eingesetzt wird. Was ich geh\u00f6rt habe, l\u00e4sst sich auf den Softwarebereich generell \u00fcbertragen:<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Code-Generierung werden (abh\u00e4ngig von der Aufgabe) gegen 20% Prozent der Entwicklungszeit eingespart, weil sich Bibliotheken durchforsten und Teilaufgaben auslagern lassen, wobei die Resultate in Sekundenschnelle vorliegen. Und dieser Wert wird sich mit zunehmender Routine noch steigern lassen. Allerdings heisst es hier aufpassen, denn man muss sich bewusst sein, dass jeder Prompt (Frage) und auch die zugeh\u00f6rige Antwort wohl irgendwo gespeichert werden, um das Gesamtsystem weiter lernen zu lassen. Gut, OpenAI erkl\u00e4rt zwar, dies sei nicht der Fall, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Man m\u00f6chte es ja der Konkurrenz nicht allzu leicht machen. Statt ganzer Code-Sequenzen d\u00fcrfen daher nur einzelne Snippets ins System eingespeist werden. Immerhin ist die Gefahr, dass ChatGPT einfach drauflos halluziniert, wie es bei &#8220;normalen&#8221; Texten passieren kann, hier eher gering, da es bei Code um eine homogene, stark normierte und auf einen spezifischen Bereich konzentrierte Sprache geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet dies f\u00fcr die Menschen, welche in der Entwicklung t\u00e4tig sind? Ganz klar, bei der Einstellung von neuen Mitarbeitenden muss stark darauf geachtet werden, dass sie sich gut mit ChatGPT auskennen, w\u00e4hrend das bestehende Team m\u00f6glichst rasch daf\u00fcr qualifiziert werden muss. Es gibt zwar die neue Funktion des AI Prompt Engineers, allerdings ist dieser nicht f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der t\u00e4glichen Arbeit von Programmierern gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei virtuellen, \u00fcber den Globus verstreuten Teams, wie sie heute in der Softwareentwicklung verbreitet sind, stellt ChatGPT eine zus\u00e4tzliche Herausforderung dar. Die Gefahr, pl\u00f6tzlich festzustellen, dass man beim Einstellungsprozess einem Betr\u00fcger oder einer Schaumschl\u00e4gerin auf den Leim gegangen ist, steigt betr\u00e4chtlich.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-ein-gutenberg-moment-20230509#und-wie-geht-der-kolumnist-damit-um\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und wie geht der Kolumnist damit um?<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach dem Gesagten w\u00e4re es seltsam, wenn ChatGPT bei der Erstellung dieser Kolumne keine Rolle gespielt h\u00e4tte. Selbstverst\u00e4ndlich lasse auch ich mich bei der Textproduktion von diesem System unterst\u00fctzen. Wie ich das tue, bleibt f\u00fcr heute mein Geheimnis. Kein Geheimnis ist, dass ich die konkreten Informationen zum Einsatz von ChatGPT bei der Programmierung bei Clemens Schuster und Ivan Srdi\u0107 von Politanalytics AG eingeholt habe (denen daf\u00fcr herzlich gedankt sei).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-ein-gutenberg-moment-20230509\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d<\/a> auf inside-it.ch.<\/em> <em>Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@sanketgraphy?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Sanket Mishra<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/p81GrhuTQho?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich lange dagegen gestr\u00e4ubt, in den Chor der ChatGPT-Erkl\u00e4rerinnen und -Erkl\u00e4rer einzustimmen. 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