{"id":3752,"date":"2023-04-12T09:03:44","date_gmt":"2023-04-12T07:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3752"},"modified":"2023-04-12T09:03:45","modified_gmt":"2023-04-12T07:03:45","slug":"richtig-zwitschern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/richtig-zwitschern\/","title":{"rendered":"Richtig zwitschern"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Plattform Twitter steht unter Dauerfeuer, und in den letzten Monaten gab es besonders viel zu kritisieren: Die feindliche \u00dcbernahme durch einen der umstrittensten Unternehmer der Welt, desastr\u00f6se finanzielle Ergebnisse, chaotische Entlassungswellen (gefolgt von Wiedereinstellungen), politische Manipulationen des Algorithmus, Boykott durch Inserenten und den Vorwurf, Hatespeech ungez\u00fcgelt zuzulassen. Kein Wunder, wurde immer wieder versucht, alternative Plattformen aufzubauen, interessanterweise von beiden Seiten des politischen Spektrums. Ihnen ist allerdings gemeinsam, dass sie bislang gescheitert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt nur ein Twitter: Niemand, der in Politik und Medien unterwegs ist, kommt heute daran vorbei, dort pr\u00e4sent zu sein. Dabei reicht es nicht, passiv Themen, Personen und Institutionen zu verfolgen, an denen man interessiert ist. Nein, man muss auch Wege finden, wahrgenommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als jemand, der dort schon seit fast anderthalb Jahrzehnten mit ein paar tausend Followern aktiv unterwegs ist, werde ich regelm\u00e4ssig von Newcomern gefragt, was man unternehmen soll, um vom versch\u00e4mt passiven Beobachter ohne Follower zum vollwertigen Mitglied der Community mit ansehnlicher Fanbase zu mutieren. Faul wie ich bin, habe ich meine Empfehlungen in diese Kolumne verpackt, damit ich in Zukunft einfach einen Link verschicken kann, statt mir immer wieder neu den Mund fusselig zu reden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg zum Erfolg<\/h2>\n\n\n\n<p>Viele meinen, man m\u00fcsse etwas vom Thema verstehen, \u00fcber das man twittert. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Zu viel Wissen f\u00fchrt dazu, dass man f\u00fcr sein Publikum zu wenig verst\u00e4ndlich und zu differenziert formuliert. Wer mit beschr\u00e4nkter Aufmerksamkeit durch die Tweets surft, will nicht dr\u00f6ge Abgewogenheit, sondern ein schn\u00f6rkellos pr\u00e4gnantes Statement. Da hemmt zu viel Know-how des Verfassers \u00fcber die Sache nur.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig zu wissen erm\u00f6glicht auch mehr Emotion \u2013 und diese ist gefragt, vor allem negative: Entsetzen, Ersch\u00fctterung, Emp\u00f6rung, Skandal, Abgr\u00fcnde, Verschw\u00f6rung sind daf\u00fcr gute Begriffe. Wobei Substantive nicht reichen. Besser sind Adjektive, weil man die steigern kann. Und unter dem Superlativ ist es kaum je getan. Falls das nicht reicht, k\u00f6nnen Grossbuchstaben die Aussage weiter verst\u00e4rken. &#8220;Der Tweet von @XYZ ist das absolutest PERVERSESTE, was ich je gelesen habe!!!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Sprachpuristen m\u00f6gen sich an solchen Formulierungen und Schriftbildern st\u00f6ren, aber solche Menschen haben bei Twitter sowieso nichts zu suchen. Orthografie kann kein Grund sein, mit der eigenen Meinung hinter den Berg zu halten. Im Gegenteil, ein gewisser Anteil an Fehlern und Vertippern zeigt doch auf, dass man authentisch ist und den Inhalt \u00fcber die Form stellt. Oder, wie ich es f\u00fcr einen Tweet formulieren w\u00fcrde: Rechtschreibung ist f\u00fcr totale Schw\u00e4chlinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem kraftvollen Vokabular geh\u00f6rt auch ein gutes Sortiment an Schimpfw\u00f6rtern, die hier allerdings nicht im Detail wiedergegeben werden sollen. Aber wir alle wissen: Das Tierreich und der Verdauungstrakt stellen einen grossen Vorrat an Vokabeln zur Charakterisierung anderer Menschen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich holen Sie sich ihre Inspiration f\u00fcr ihre Tweets von anderen Mitgliedern der Community. Wenn Ihnen ein Tweet gef\u00e4llt, reagieren Sie auf keinen Fall darauf mit einer Reply oder einem Retweet: Sie wollen ja nicht via Algorithmus ihre eigene Konkurrenz hochp\u00e4ppeln. \u00dcbernehmen Sie einfach den Inhalt und twittern ihn unter dem eigenen Namen. Denn bei Twitter gilt auch: Urheberrecht ist f\u00fcr Loser.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch irgendwann kommt der Moment, in welchem Sie auf den Tweet eines anderen mit einer Reply reagieren wollen, weil sie dessen Inhalt oder Absender als untragbar hassenswert empfinden. Dies kommt deshalb \u00f6fter vor, weil Sie standardm\u00e4ssig davon ausgehen, dass Tweets aus den niedrigsten Beweggr\u00fcnden von den verabscheuungsw\u00fcrdigsten Menschen verfasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun nur keine falschen Hemmungen. Sie m\u00fcssen alles aus dem Weg r\u00e4umen, was Sie daran hindern k\u00f6nnte, aus den Tiefen ihrer Gef\u00fchlswelt zu sch\u00f6pfen. In solchen F\u00e4llen k\u00f6nnen ein, zwei Gin Tonic Wunder wirken, am besten im Verh\u00e4ltnis 1:1 gemischt.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits ist es auch wichtig, m\u00f6glichst rasch zu antworten. Erstens wartet die ganze Twittosphere gespannt auf ihren genialen Gegenschlag, und zweitens hemmt zu viel Nachdenken ihre Spontaneit\u00e4t. Dies f\u00fchrt allerdings dazu, dass Sie die zwei Gin Tonic relativ rasch trinken m\u00fcssen. Das ist der Preis, der zu bezahlen ist, um sich hohe Beachtung im Netz zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich garantiere: Wenn Sie diese paar einfachen Regeln beherzigen, werden Sie sich in der Community in kurzer Zeit eine solide Reputation aufbauen. Sie k\u00f6nnen aber auch das absolute Gegenteil davon machen, dann werden Sie noch erfolgreicher!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-richtig-zwitschern-20230411\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d<\/a> auf inside-it.ch.<\/em> <em>Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@rswebsols?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Souvik Banerjee<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/9Z-2Ktg6CIM?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Plattform Twitter steht unter Dauerfeuer, und in den letzten Monaten gab es besonders viel zu kritisieren: Die feindliche \u00dcbernahme durch einen der umstrittensten Unternehmer der Welt, desastr\u00f6se finanzielle Ergebnisse,&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3753,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[83,90,93],"tags":[],"class_list":["post-3752","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ict","category-kommunikation","category-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3752"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3755,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3752\/revisions\/3755"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3753"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}