{"id":3737,"date":"2023-02-16T06:38:34","date_gmt":"2023-02-16T05:38:34","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3737"},"modified":"2023-02-16T06:43:43","modified_gmt":"2023-02-16T05:43:43","slug":"blick-auf-den-wahlherbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/blick-auf-den-wahlherbst\/","title":{"rendered":"Blick auf den Wahlherbst"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wie Megatrends Wahlen beeinflussen und was dies f\u00fcr die IT-Branche bedeuten k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Resultate der kantonalen Wahlen in Z\u00fcrich sind f\u00fcr alle Schweizerinnen und Schweizer relevant, denn sie sind das perfekte Orakel f\u00fcr die acht Monate sp\u00e4ter stattfindenden nationalen Wahlen: In 9 von 10 F\u00e4llen haben sie in den letzten 20 Jahren den Trend vorgegeben. Peter Moser, Stv. Amtschef des Amts f\u00fcr Statistik des Kantons Z\u00fcrich, hat dies k\u00fcrzlich wissenschaftlich sauber&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/peterjamoser\/status\/1624426217666449411?s=61&amp;t=yCPldMMQJNms6b7q5pr3kg\">aufgezeigt<\/a>. Und er ist in Sachen Wahlanalysen in der Scheiz auf der Datenseite eine unbestrittene Autorit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Weder f\u00fchle ich mich berufen, eine parteipolitische Beurteilung der Wahlen von vorgestern wahrzunehmen, noch w\u00fcrde das wohl meine Leserschaft goutieren. Von Bedeutung scheint mir jedoch zu sein, wie sich Megatrends auf das Wahlverhalten auswirken und wie die IT-Wirtschaft davon betroffen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als globale Themen stehen gegenw\u00e4rtig f\u00fcr die Politik die drei K im Vordergrund: Klima, Krieg und Kovid (o.k., unorthodoxe Schreibweise).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Gr\u00fcn oder gr\u00fcn?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Klimapolitik sollte eigentlich im aktuellen Kontext den sich gr\u00fcn gebenden Parteien massiven Auftrieb verschaffen, was jedoch \u00fcberraschenderweise nicht passiert ist. Die Gr\u00fcnliberale Partei verliert minimal, die Gr\u00fcne Partei (analog zu zahlreichen anderen Kantonen in der lezten Zeit) deutlich Stimmen (rund jeder achte ihrer W\u00e4hler hat sich abgewendet). Wurde das Thema Umwelt in der letzten Zeit etwas \u00fcberverkauft? Oder haben die ausserparlamentarischen Kampagnen von Aktivisten das Image der gr\u00fcnen Parteien geschw\u00e4cht? Dies w\u00e4re eine sehr verk\u00fcrzte Betrachtungsweise. Denn 2019 haben die gr\u00fcnen Parteien massive Gewinne eingefahren, die sie nun weitgehend stabilisieren konnten. Davon zeugt auch die Tatsache, dass die \u201eKlimaallianz\u201c im Kantonsrat zwar geschw\u00e4cht wurde, aber immer noch \u00fcber eine rechnerische Mehrheit verf\u00fcgt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die IT-Wirtschaft ist hingegen relevant, was sich schon in mehereren Kantonen abgezeichnet hat: Das Momentum liegt bei den Gr\u00fcnliberalen und nicht bei den Gr\u00fcnen. Erstere sind deutlich wirtschaftsfreundlicher und technologie-affiner als letztere, was unter anderem durch die Tatsache unterstrichen wird, dass der Branchenverband Swico von der gr\u00fcnliberalen Nationalr\u00e4tin Judith Bellaiche geleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Migration wird wieder zum Thema<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Krieg in der Ukraine wirkt auf verschiedenen Ebenen auf das W\u00e4hlerverhalten ein. Da w\u00e4re die neu aufgeflammte Diskussion um die schweizerische Neutralit\u00e4t, ein Thema das die SVP grad stark umtreibt. Dies ist eine staatspolitische Frage, welche wohl nur Aussenpolitiker interessiert, W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler d\u00fcrfte das (auch dann auf nationaler Ebene) kalt lassen \u2013 im Vergleich zur Europafrage ein absoluter Non-Issue. Zweitens kann man die Inflation mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung bringen, doch diese ist j\u00fcngst wieder am Zusammenfallen. Die \u00d6konomen streiten sich nur noch, wie rasch es geht, bis sie sich wieder im \u201eertr\u00e4glichen\u201c Bereich um die zwei Prozent bewegt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens jedoch ist der Krieg verantwortlich f\u00fcr eine starke Migrations- bzw. Fl\u00fcchtlingswelle, welche mittlerweile viele Gemeinden an den Rand der \u00dcberforderung bringt. Dies k\u00f6nnte sich bis im Herbst noch zu einem ganz heissen Thema entwickeln, bei dem es auch f\u00fcr die IT-Wirtschaft um Einiges geht, hat sie doch ein grosses Interesse an m\u00f6glichst einfachem Zuzug von qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften. Allerdings, wie lange noch? Das spezialisierte Unternehmen X.28 sieht aufgrund ihrer Analyse der Stellenanzeigen auch in der Schweiz Auswirkungen der globalen Tech-Krise, wie die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/einstellungsstopp-und-stellenabbau-it-unternehmen-in-der-schweiz-suchen-weniger-personal-ld.1723943\">NZZ<\/a>&nbsp;vor wenigen Tagen berichete. Und sie sieht einen Trend zu weniger Einstellung schon seit Juni 2022. Dennoch, dies d\u00fcrfte klar sein: Auch langfristig werden wir auf ausl\u00e4ndische IT-Spezialisten angewiesen sein, was durch politische Migrationsdebatten erschwert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Entsorgungspanne ohne Folgen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Pandemie, das dritte Megathema, hat das Land regelrecht durchgesch\u00fcttelt, nicht nur gesundheitlich, sondern auch politisch. Die Br\u00fcche in der Gesellschaft sind noch nicht verheilt, auch wenn Covid die \u00d6ffentlichkeit nicht mehr so stark besch\u00e4ftigt. Long-Covid, der Pflegenotstand und auch Medikamentenmangel geben immer noch zu reden, aber das wirklich spaltende Thema Impfungen ist f\u00fcrs Erste gegessen. Auch dies zeigen die Wahlen. Die Bewegung Aufrecht Schweiz versuchte, sich als Sammelbecken f\u00fcr Unzufriedene und Impfgegner zu etablieren. Chapeau, dass es Aufrecht Z\u00fcrich zustandebrachte, in allen 18 Wahlkreisen eine Liste auf die Beine zu stellen. Die 2% W\u00e4hleranteil sind f\u00fcr Newcomer durchaus beachtlich. Allerdings d\u00fcrfte dies ein einmaliger Exploit bleiben und die Bewegung als politische Partei bald wieder verschwinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die IT spielte im Z\u00fcrcher Wahlkampf \u00fcbrigens eine neckische Rolle. Vor wenigen Wochen brachte eine Milieufigur k\u00f6rbeweise ausrangierte Festplatten der Justizdirektion in den Kantonsrat, um den legeren Umgang des Amtes mit Datensicherheit und Datenschutz anzuprangern (selber Schuld, wenn man nicht von Swico-zertifizierten Recyclern entsorgen l\u00e4sst!). Die von Anwalt und Kantonsrat Valentin Landmann orchestrierte Kampagne besch\u00e4ftigte das Parlament und die Journalisten, hatte aber trotz ungeschickter Kommunikation von Regierungsr\u00e4tin Jacqueline Fehr nie das Potenzial, sie in Gefahr zu bringen. Sie wurde sehr gut wiedergew\u00e4hlt. Dies im Gegensatz zu Valentin Landmann, der seinen Sitz an eine Parteikollegin abtreten musste\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-blick-auf-den-wahlherbst-20230214\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d<\/a> auf inside-it.ch.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Megatrends Wahlen beeinflussen und was dies f\u00fcr die IT-Branche bedeuten k\u00f6nnte. 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