{"id":3638,"date":"2022-09-14T21:49:10","date_gmt":"2022-09-14T19:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3638"},"modified":"2022-09-14T21:49:12","modified_gmt":"2022-09-14T19:49:12","slug":"die-geheimsprache-der-pr-leute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/die-geheimsprache-der-pr-leute\/","title":{"rendered":"Die Geheimsprache der PR-Leute"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine der beliebtesten Ratgeberkolumnen in den Mainstream-Medien, aber auch in Fachmagazinen, segelt unter dem Titel &#8220;Geheimsprache der Personalchefs&#8221; und widmet sich in sonst nachrichtenarmen Zeiten den versteckten Codes, welche Personalverantwortliche in Arbeitszeugnissen verstecken sollen. Und so sind wir uns nun alle bewusst, dass eine Arbeitsleistung &#8220;zur vollen Zufriedenheit&#8221; des Arbeitgebers eine schlimme Abwertung darstellt, da es bei wirklich guten Zeugnissen zur &#8220;vollsten&#8221; Zufriedenheit heissen m\u00fcsste. Noch t\u00f6dlicher ist die Formulierung, wonach sich ein Mitarbeitender &#8220;stets bem\u00fcht&#8221; habe, womit klar ist, dass er es eben nie geschafft hat. Und jemand, der &#8220;f\u00fcr die Belange seiner Mitarbeiterinnen immer viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen&#8221; zeigte, ist mindestens ein Sch\u00fcrzenj\u00e4ger \u2013 wenn nicht Schlimmeres.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Abg\u00e4nge sind kein Problem<\/h2>\n\n\n\n<p>Versteckte Codes kann es allerdings auch in anderen Bereichen geben. So untersuchte ich die mir n\u00e4herstehende Unternehmenskommunikation auf solche geheimen Botschaften. Denn wenn jemand geht, muss dies auch intern und \u00f6ffentlich kommuniziert werden, sp\u00e4testens dann, wenn die Nachfolge bekannt gegeben wird. Allerdings muss man hier gar nicht erst zur Geheimsprache greifen, gibt es doch zwei Formulierungen, mit denen jede \u00f6ffentliche Qualifikation der ausscheidenden Person durch den Arbeitgeber vermieden werden kann: Die Trennung im &#8220;gegenseitigen Einvernehmen&#8221;, wobei &#8220;Stillschweigen&#8221; vereinbart wurde. Eine interessante Variante ist das &#8220;positive Einvernehmen&#8221;, k\u00fcrzlich bei inside-it.ch gesichtet. F\u00fcr Aussenstehende bedeutet es in der Regel, dass der Ausscheidende zwar nicht l\u00e4nger erw\u00fcnscht ist, dass er aber so viel weiss oder so viel verbrochen hat, dass jede Aussage zu seiner Person unweigerlich zu einem Reputationsverlust f\u00fcr das Unternehmen f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neuzug\u00e4nge richtig vorstellen<\/h2>\n\n\n\n<p>Anders ist es jedoch bei Einstellungen oder Bef\u00f6rderungen. Hier geht es darum, der entsprechenden Person mit den blumigsten Worten Vorschusslorbeeren zu geben, um als Unternehmen gut dazustehen. Nur leider geben es die Lebensl\u00e4ufe der Personen nicht immer her \u2013 gerade in Zeiten der Personalknappheit muss man sich auch mal mit zweiklassigen Kandidaten zufriedengeben, damit der Laden weiterl\u00e4uft. Blanke L\u00fcgen sind in Zeiten des Internets keine Option, also ist Kreativit\u00e4t gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nach l\u00e4ngeren Studien an verschiedenen Universit\u00e4ten im In- und Ausland \u2026&#8221;, kann zum Beispiel darauf hinweisen, dass die Person in der Schweiz alle Pr\u00fcfungen versemmelt hat und es auch andernorts nicht schaffte, einen Abschluss zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;F\u00fcr das Digitalisierungs-\u00d6kosystem bringt er langj\u00e4hrige Expertise im Bereich Customer Communications mit&#8221;, bedeutet vielleicht, dass die Person nicht viel mehr geleistet hat, als in einem Call-Center Versicherungen zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Er hat seine Leitungsfunktion abgegeben, steht aber dem Unternehmen weiterhin als Berater zur Verf\u00fcgung&#8221;, heisst wohl im Klartext, dass der Mensch ein lausiger Chef war, aber so viel \u00fcber das Business weiss, dass man nicht auf sein Know-how verzichten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Insgesamt hat sie 20 Jahre Berufserfahrung in zahlreichen Positionen&#8221;, ist eventuell ein Hinweis darauf, dass sie als Job Hopperin nirgends richtig Fuss gefasst hat. Womit in K\u00fcrze die n\u00e4chste Medienmitteilung aus dem gleichen Haus zu erwarten ist \u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn alles nichts hilft<\/h2>\n\n\n\n<p>Aber manchmal ist Hopfen und Malz verloren und so bleiben in den PR-Texten noch solche Formulierungen: &#8220;Er hat nachweislich Ergebnisse erzielt, indem er digitale Plattformen genutzt hat, \u2026&#8221; oder &#8220;Diverse Praktika in der Unternehmens- und Gesch\u00e4ftsentwicklung.&#8221; Zum Schluss noch: &#8220;Hier ist er beispielsweise an der Entwicklung der SwissCovid-App beteiligt gewesen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage stellt sich nat\u00fcrlich, wie Redaktionen auf solche Formulierungen reagieren. Dies l\u00e4sst sich ganz einfach nachpr\u00fcfen, da ich obige Beispiele 2022 bei inside-it.ch gefunden habe. Nun, bei diesem Medium zumindest, dokumentieren die Journalistinnen und Journalisten die Relativit\u00e4t solcher Aussagen durchaus, indem sie die PR-Spr\u00fcche konsequent in den Konjunktiv setzen und sich so davon distanzieren. Oder sie weisen in Klammern darauf hin, dass die im obigen Absatz erw\u00e4hnte Pandemie-App krachend gescheitert ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-die-geheimsprache-der-pr-leute-20220912\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch<\/a><a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-rueckkehr-der-autarkie-20220412\">.<\/a>\u00a0Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@punttim?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Tim Gouw<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/human-resources?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der beliebtesten Ratgeberkolumnen in den Mainstream-Medien, aber auch in Fachmagazinen, segelt unter dem Titel &#8220;Geheimsprache der Personalchefs&#8221; und widmet sich in sonst nachrichtenarmen Zeiten den versteckten Codes, welche Personalverantwortliche&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[83,90],"tags":[],"class_list":["post-3638","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ict","category-kommunikation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3638"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3641,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3638\/revisions\/3641"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}