{"id":3541,"date":"2022-02-09T10:44:55","date_gmt":"2022-02-09T09:44:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3541"},"modified":"2022-02-09T10:44:57","modified_gmt":"2022-02-09T09:44:57","slug":"wo-ist-der-kloentalersee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/wo-ist-der-kloentalersee\/","title":{"rendered":"Wo ist der Kl\u00f6ntalersee?"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir begehen dieser Tage ein Jubil\u00e4um: Zwei Jahre Corona-Pandemie. Grund genug, den Blick f\u00fcr einmal nicht auf das gewaltige menschliche Leid und die gesundheitspolitische Katastrophe zu richten, sondern zu analysieren, was uns die Pandemie alles an Positivem gebracht hat. Denn das ist gar nicht mal so wenig:<\/p>\n\n\n\n<p>Offensichtlich ist, dass die Pandemie den beruflichen Stubenhockern den Garaus gemacht hat. Mit g\u00fctiger Hilfe des Bundesrats wurden die Arbeitenden aus den heimeligen B\u00fcrolandschaften vertrieben und mussten lernen, wie man vom K\u00fcchentisch oder vom B\u00fcgelbrett aus arbeitet, die Maus auf dem Schneidebrett balancierend, w\u00e4hrend es sich die Katze auf der Tastatur gem\u00fctlich macht. Vor allem war das bitter f\u00fcr diejenigen, welche nun nicht mehr auf den betriebseigenen Barista zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen und den Kaffee selbst zubereiten mussten. Daf\u00fcr wurden noch nie so viele Kaffeeautomaten und -maschinen f\u00fcr den Heimgebrauch geordert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nur ein Mausklick weniger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Industrie, die nun noch mehr unter die R\u00e4der kommt, ist die Druckerbranche. Niemand kommt auf die Idee, zuhause eine 45-seitige Powerpoint-Pr\u00e4sentation farbig und ganzseitig auszudrucken \u2013 und zwar mehrmals, nur um den letzten Typo noch auszumerzen. Schliesslich sind die Druckpatronen teuer und die Qualit\u00e4t des Heimdrucker-Ausdrucks nur so mittel. Und pl\u00f6tzlich erkennt man, dass das papierlose B\u00fcro nur einen (unterlassenen) Mausklick entfernt ist. Dies unter normalen Umst\u00e4nden durchzusetzen, w\u00e4re ein Ding der Unm\u00f6glichkeit gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit die offensichtlichen Vorteile der Homeoffice-Pflicht. Kommen wir nun jedoch zu den weniger offensichtlichen Vorteilen von Corona.<\/p>\n\n\n\n<p>Corona hat aber auch der Schule gewaltig auf die Spr\u00fcnge geholfen. W\u00e4hrend der ganzen 2000er Jahre haben sich viele Lehrerinnen und Lehrer etwas darauf eingebildet, ihre Klassen als m\u00f6glichst technikfreie Wohlf\u00fchlzonen zu f\u00fchren. Ziel der digitalen Erziehung im Schulzimmer war, die Kinder m\u00f6glichst vor den h\u00e4sslichen Seiten von Facebook und Tiktok zu besch\u00fctzen (was ja durchaus auch ein ehrenwertes Ziel ist). Pl\u00f6tzlich mussten Lehrpersonen jedoch innert Wochen zu ICT-Cracks mutieren, welche den gesamten Unterricht per via Zoom &amp; Co. ausliefern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeitgeber haben von den Schulschliessungen ebenfalls profitiert. Wer h\u00e4tte gedacht, dass die Mitarbeitenden mit der Zeit regelrecht darum betteln w\u00fcrden, wieder ins B\u00fcro gehen zu d\u00fcrfen? Was Rutschbahnen, Billard- und Massagetische nicht geschafft haben, erledigte die Pandemie mit links.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fast wie bei Teleboy<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die Medien haben profitiert, die Fragmentierung der Konsumenten in verschiedenen Bubbles h\u00f6rte schlagartig auf. Es gab nur noch ein einziges Thema, und mit diesem konnte man das ganze Blatt f\u00fcllen. In einer ersten Phase entstand wieder das Gef\u00fchl eines nationalen Lagerfeuers, um das sich das ganze Volk versammelt. Sowas gab es letztmals zu Zeiten von Teleboy, als auch alle \u00fcber das gleiche Thema sprechen konnten. Die k\u00fcrzlich angek\u00fcndigte Auferstehung von &#8220;Wetten, dass\u2026?&#8221; und &#8220;Benissimo&#8221; kommt somit nicht von ungef\u00e4hr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso vorteilhaft war die \u2013 immer noch anhaltende \u2013 Verschmelzung von Individual- und \u00f6ffentlichem Verkehr, einem wichtigen Ziel der Politik. Wenn ich in letzter Zeit mit dem Intercity nach Romanshorn gefahren bin (was ich \u00f6fters tue), hatte ich immer ein Doppelstock-Waggon f\u00fcr mich allein. Wobei man sich mit Maske dann etwas bl\u00f6d vorkommt. Aber das ist eine andere Geschichte<\/p>\n\n\n\n<p>Corona ist auch eine Lektion in Demut. 2019 nannte man eine Grossbank systemrelevant, 2022 weiss man, es ist der Migros-Kassierer, die UPS-Paketbotin und der Hilfspfleger, der die Bettpfannen leert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Corona und die Armee<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher waren es prim\u00e4r die M\u00e4nner, welche eine Ausbildung in praktischer Regionalgeografie erhielten, und zwar kostenlos durch die Schweizer Armee. Nachdem die Tauglichkeitsquoten immer weiter abgesunken sind, war man besorgt, wie sich der diesbez\u00fcgliche Kenntnisstand der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Schweiz entwickeln w\u00fcrde. Corona sei Dank jettet man jedoch nicht mehr nach Bali in die Ferien, sondern geht campieren an den Kl\u00f6ntalersee. Und lernt endlich wieder einmal sein eigenes Land kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in anderen Bereichen findet eine R\u00fcckbesinnung statt. Es ist bekannt, dass unsere Jugend viel zu wenig \u00fcber Geschichte weiss, obwohl es eine zentrale Disziplin ist, um die Gegenwart besser zu meistern. Zum Gl\u00fcck haben wir in der Pandemie Fortschritte gemacht, zumindest bei der Technikgeschichte: Dank dem Bundesamt f\u00fcr Gesundheit wissen auch Teenager wieder, was ein Fax ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kann man all diese Vorteile der Pandemie je nach Standpunkt unterschiedlich gewichten, aber an einer zentralen Erkenntnis kommt wohl niemand vorbei \u2013 ich spreche nat\u00fcrlich von der bildungspolitischen Dimension: Es ist unserem Land mit vereinten Kr\u00e4ften tats\u00e4chlich gelungen, dank Corona in nur zwei Jahren acht Millionen Epidemiologen zu produzieren!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right source-indent has-custom-lineheight\" style=\"line-height:1.6;font-size:17px\"><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/von-hensch-zu-mensch-wo-liegt-der-kloentalersee\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch.<\/a>\u00a0Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@ctarzi?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Cristian Tarzi<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/working-from-home?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir begehen dieser Tage ein Jubil\u00e4um: Zwei Jahre Corona-Pandemie. 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