{"id":3526,"date":"2021-11-24T09:12:00","date_gmt":"2021-11-24T08:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3526"},"modified":"2021-11-10T09:12:49","modified_gmt":"2021-11-10T08:12:49","slug":"die-rueckeroberung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/die-rueckeroberung\/","title":{"rendered":"Die R\u00fcckeroberung"},"content":{"rendered":"\n<p>Sp\u00e4testens in diesen Tagen ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Firmen darauf bestehen, dass ihre Mitarbeitenden wieder im B\u00fcro anwesend sind. In welchem Umfang, das ist eine grosse Diskussion, auf die ich hier nicht eingehen will, ebenso wenig auf das Thema Impfung. Mich interessiert vielmehr, was in den Menschen vorgeht, die wieder ins B\u00fcro zur\u00fcckkommen, wie sie sich mit der Situation arrangieren und wie sie sich gegen\u00fcber Kolleginnen und Kollegen verhalten. Im Zeitalter der Grossraumb\u00fcros kann dies relativ einfach beobachtet werden \u2013 auch gefahrlos mit etwas Abstand.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der<strong>&nbsp;\u00c4ngstliche&nbsp;<\/strong>kommt so selten wie m\u00f6glich ins B\u00fcro, l\u00e4sst sich immer im abgelegensten Teil des Offices nieder und kommuniziert auch weiterhin per Zoom, selbst wenn er mit seiner Kollegin 10 Meter weiter konferieren muss. Man sieht ihn nie ohne FFP2-Maske. Der Lunch wird im luftdicht verschlossenen Tupperware mitgebracht und auf der Dachterrasse konsumiert \u2013 bei jedem Wetter. Gr\u00f6sser als seine Angst vor dem Virus ist nur die Furcht vor der Chefin, die seine Abwesenheit tadeln k\u00f6nnte.<\/li><li>Die&nbsp;<strong>Modische<\/strong>&nbsp;betrachtet die Pandemie prim\u00e4r als Herausforderung f\u00fcr ihr \u00e4usseres Erscheinungsbild. Sie hat die Zeiten des Homeoffice genutzt, um sich via Instagram das notwendige Know-how anzueignen und die Bezugsquellen zu finden, die es ihr erm\u00f6glichen, jeden Tag aufs Neue den Virus mit einem Fashion-Statement zu bek\u00e4mpfen. Die t\u00e4glich wechselnde Maske aus dem Hause eines Edel-Couturiers mit der Bluse zu matchen, erfordert schon viel Planung. Das Ganze noch mit Handtasche und Schuhen harmonieren zu lassen, das ist dann schon hohe Kunst.<\/li><li>Der&nbsp;<strong>Verwahrloste<\/strong>&nbsp;hat im Gegensatz dazu im Lockdown und im Homeoffice erlebt, wie befreiend es ist, sich von allen formellen Zw\u00e4ngen zu l\u00f6sen. In heutigen Zeiten sind ja Jogging-Hosen im B\u00fcro kein grunds\u00e4tzliches Problem mehr, aber wenn sie l\u00f6chrig und ausgeleiert sind, eher weniger gern gesehen. Auch das Essen eines D\u00f6ners w\u00e4hrend eines Meetings und mangelnde K\u00f6rperhygiene k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass er nie ein Problem damit hat, dass ihm andere zu nahe kommen. Gut f\u00fcr das Einhalten der Abstandregeln.<\/li><li>Mit diesen hat n\u00e4mlich die&nbsp;<strong>\u00dcberschw\u00e4ngliche<\/strong>&nbsp;so ihre Schwierigkeiten. Sie ist so froh, endlich wieder unter Menschen zu sein, dass sie jede Gelegenheit nutzt, den direkten Kontakt zu suchen. Dies beginnt mit H\u00e4ndesch\u00fctteln, setzt sich mit Schulterklopfen fort und endet vielleicht noch mit einem High-Five. Allerdings schafft auch sie es nicht, das K\u00fcsschen-K\u00fcsschen-K\u00fcsschen wieder salonf\u00e4hig zu machen.<\/li><li>Der&nbsp;<strong>Apotheker<\/strong>&nbsp;ist da anders. Er ist \u00fcberzeugt, dass man Corona mit medizinischen Mitteln angehen muss. Er verf\u00fcgt deshalb \u00fcber ein ganzes Arsenal in allen Aggregatszust\u00e4nden (fest: Mikrofasertuch und Vitaminpillen \u2013 fl\u00fcssig: Vitamincocktails und Handlotion \u2013 gasf\u00f6rmig: Mund- und Desinfektionssprays), die er im Rahmen eines Wettr\u00fcstens mit den Virus-Varianten einsetzt. Vor allem in kreativen Unternehmen gibt es den Apotheker \u00fcbrigens auch in einer hom\u00f6opathischen Eso-Version.<\/li><li>Die&nbsp;<strong>Frischluft-Fanatikerin&nbsp;<\/strong>sieht in der Pandemie ihre Stunde gekommen. W\u00e4hrend sie sich fr\u00fcher nie durchsetzen konnte, hat sie jetzt das BAG auf ihrer Seite. Sie liebt es, alle Fenster aufzureissen und betet den Durchzug regelrecht an. Aussentemperaturen unter Null sind f\u00fcr sie kein akzeptables Gegenargument. Zum Gl\u00fcck ist in vielen Grossraumb\u00fcros dank Minergie-bedingter Zwangsl\u00fcftung ein \u00d6ffnen der Fenster nicht mehr m\u00f6glich. In diesem Fall begn\u00fcgt sie sich damit, die Luftqualit\u00e4t mit einem privat angeschafften CO2-Sensor zu \u00fcberpr\u00fcfen \u2013 immerhin ein Qualit\u00e4tsprodukt aus der Schweiz.<\/li><li>Bleibt noch der&nbsp;<strong>Massnahmenverweigerer<\/strong>. Im Businessumfeld h\u00e4lt er sich etwas zur\u00fcck \u2013 ausser wenn er ein Trychler-Hemd montiert, weil er anschliessend an die Arbeit an eine Corona-Demo geht. Um seinen Widerstand zu demonstrieren, tr\u00e4gt er die Maske grunds\u00e4tzlich so, dass die Nase frei bleibt. In geselliger Runde pr\u00e4sentiert er Memes, die er auf Telegram gefunden hat. Er verschickt auch gerne Links zu Youtube-Filmen, welche nachweisen, dass Bundesrat Berset in Tat und Wahrheit ein Reptiloid ist, der vom Blut von Neugeborenen lebt.&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Es lohnt sich also, hin und wieder ins B\u00fcro zu gehen, um nachzuschauen, wie sich die Dinge so entwickeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right source-indent has-custom-lineheight\" style=\"line-height:1.6;font-size:17px\"><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-nagelprobe-fuers-nagelstudio-20200414\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch.<\/a>&nbsp;Photo by&nbsp;<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@designecologist?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">DESIGNECOLOGIST<\/a>&nbsp;on&nbsp;<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/nail-art?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp\u00e4testens in diesen Tagen ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Firmen darauf bestehen, dass ihre Mitarbeitenden wieder im B\u00fcro anwesend sind. 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