{"id":3423,"date":"2021-06-09T11:00:12","date_gmt":"2021-06-09T09:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3423"},"modified":"2021-06-09T11:00:14","modified_gmt":"2021-06-09T09:00:14","slug":"die-unterdigitalisierten-ein-blinder-fleck-der-it","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/die-unterdigitalisierten-ein-blinder-fleck-der-it\/","title":{"rendered":"Die Unterdigitalisierten: Ein blinder Fleck der IT"},"content":{"rendered":"\n<p>Im B2C-Bereich w\u00fcrde wohl niemand mehr ein Software-Produkt herausgeben wollen, das nicht auch auf dem Handy funktionieren kann. Das Smartphone ist das Ger\u00e4t, \u00fcber das ich heute jedermann erreiche. Wechsle ich jedoch in den Unternehmensbereich, dann sind die f\u00fcr Produktivit\u00e4t relevanten Tools auf Desktops zugeschnitten und erfordern mindestens einen Laptop oder ein gr\u00f6sseres Tablet. Die Gr\u00f6sse des externen Bildschirms ist denn in den Grossraumb\u00fcros dieser Welt nach wie vor ein Statussymbol. Sie sind mittlerweile so gross geworden, dass die Bildschirmfl\u00e4che einen Bogen bilden muss (&#8220;curved&#8221;), um \u00fcberhaupt noch ergonomisch genutzt werden zu k\u00f6nnen. Und wer z.B. im Finanzbereich, als Ingenieur oder als Entwickler etwas zu sagen hat, verf\u00fcgt \u00fcber mehr als einen Bildschirm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><br><strong>Die \u00fcbersehenen Mitarbeitenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn \u00fcber Business-Software gesprochen wird, haben wir das Bild eines Menschen vor uns, der an einem Bildschirm sitzt. Was aber ist mit denjenigen, die bei den Kernprozessen ihrer Arbeit nicht mit einem Bildschirm arbeiten (k\u00f6nnen)? Mit den Chauffeuren, den G\u00e4rtnerinnen, den Verk\u00e4ufern, den Strassenbauerinnen, den Coiffeuren, den Putzfrauen oder den Feuerwehrleuten?<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zuf\u00e4llig sind das oft diejenigen Personen, die man in der Pandemie pl\u00f6tzlich als &#8220;systemrelevant&#8221; wahrgenommen hat. Dies ist wohl keine sinnvolle Bezeichnung, aber es sind in jedem Fall Arbeitnehmende, die den Job direkt an einer physischen Schnittstelle ausf\u00fchren, sei es am Produkt oder gegen\u00fcber den Kunden; es sind Menschen, die sich nicht ins Homeoffice zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen und so naturgem\u00e4ss ansteckenden Krankheiten deutlich st\u00e4rker ausgesetzt sind als die Normalos im B\u00fcro. Mir geht es heute allerdings nicht um das Thema Corona (da schreiben ja gen\u00fcgend andere dar\u00fcber\u2026).<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Art Mitarbeitenden k\u00f6nnte man aufgrund ihrer Arbeitsweise auf Neudeutsch &#8220;Non-Desk-Workers&#8221;, oder vielleicht etwas positiver &#8220;Frontline Workers&#8221; nennen. Dass diese Gruppe stark unterdigitalisiert ist, l\u00e4sst sich relativ einfach belegen: Nur gerade 1% des Venture-Kapitals, das in Unternehmenssoftware investiert wird, widmet sich Produkten f\u00fcr &#8220;deskless&#8221;-Mitarbeitende. Von der Schweiz und der Schweizer ICT-Industrie aus betrachtet scheinen diese Mitarbeitenden anteilsm\u00e4ssig wenig relevant zu sein. Je mehr man dar\u00fcber nachdenkt, desto mehr kommt man drauf, dass es doch sehr viele Leute sind. In der Schweiz betrifft dies vor allem die Branchen Bau, Transport, Tourismus, Pflege und Detailhandel. Und wenn man dann in die Statistik schaut, wird klar, dass weltweit Frontline Workers 80% aller Mitarbeitenden ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><br><strong>Grosse Unterschiede<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Unterschied von Frontline zu Desk Workers beschr\u00e4nkt sich allerdings nicht darauf, dass ihr Arbeitsplatz nicht mit einem herk\u00f6mmlichen Computer ausgestattet ist, sie weisen gegen\u00fcber den B\u00fcrogummis weitere relevante Unterschiede auf: Sie haben eine tiefere IT-Affinit\u00e4t, sie arbeiten oft dezentral und im Schichtdienst, sie haben keinen direkten Zugang zum IT-System des Unternehmens, sie werden oft pers\u00f6nlich oder m\u00fcndlich von Vorgesetzten angeleitet und \u00fcberwacht, und sie unterstehen komplexen Normen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes.<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Paradebeispiel f\u00fcr eine Frontline-Worker-Problematik ist die Festlegung der Arbeitszeiten. Denn diese Art von Arbeit muss typischerweise an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit ausgef\u00fchrt werden. Das von den (auch IT-) Medien gepushte Idealbild des von &#8220;Co-Working-Space to AirBnB&#8221; nomadisierenden Mitarbeiters, der seine Arbeit gern ab Mitternacht erledigt, weil er tags\u00fcber am Surfen ist, passt hinten und vorne nicht f\u00fcr die Non-Desk-Workers. In viel zu vielen Firmen werden deren Arbeitspl\u00e4ne immer noch eine Woche im Voraus per Anschlag oder bestenfalls per Mail verschickt. Wenn jemand krankheitshalber ausf\u00e4llt, wird hektisch nach Ersatz gesucht. In h\u00e4ndisch gef\u00fchrten Systemen ist es so gut wie unm\u00f6glich, zeitnah die richtigen Leute zu erreichen (und ihre Reaktion einzuholen), geschweige denn, gesetzliche Ruhezeiten korrekt einzuhalten. Hier besteht also ein riesiges Rationalisierungspotenzial, f\u00fcr mich fast noch relevanter ist jedoch die Verbesserung der Motivation der Betroffenen, da kurzfristige Schichtwechsel zu den gr\u00f6ssten Stressfaktoren \u00fcberhaupt geh\u00f6ren \u2013 klar, denn sie wirken sich massiv aufs Privatleben aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><br><strong>Eine Chance f\u00fcr Startups<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Wenn mich also jemand fragt, in welchem Bereich SaaS noch L\u00fccken hat, in die ein Startup vorstossen k\u00f6nnte, dann ist meine Antwort klar: Es gibt eine riesige Zahl von unterdigitalisierten Arbeitnehmenden \u2013 und ihre Arbeitgeber werden sich zunehmend bewusst, dass sie auch in diesem Bereich dank Digitalisierung ihre Produktivit\u00e4t steigern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diejenigen, die sich \u00fcber diese ganze Problematik schlaumachen m\u00f6chten und an Rezepten zur F\u00fcllung dieser L\u00fccke interessiert sind, habe ich auch eine Buchempfehlung (die mich zu dieser Kolumne angeregt und mit Zahlen gef\u00fcttert hat): Grossmann, Cristian: <a href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/book\/show\/57488875-the-rise-of-the-frontline-worker\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">The Rise of the Frontline Worker<\/a>, Z\u00fcrich, 2021.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Offenlegung: Ich bin mit dem Autor des Buches seit 2012 pers\u00f6nlich bekannt. Und wir sind beide in<a href=\"https:\/\/www.beekeeper.io\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Beekeeper<\/a> investiert, er als Gr\u00fcnder und CEO etwas mehr als ich\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/hens.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Download-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3429\" srcset=\"https:\/\/hens.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Download-683x1024.jpg 683w, https:\/\/hens.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Download-200x300.jpg 200w, https:\/\/hens.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Download-768x1152.jpg 768w, https:\/\/hens.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Download-370x555.jpg 370w, https:\/\/hens.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Download-760x1140.jpg 760w, https:\/\/hens.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Download.jpg 907w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-ein-blinder-fleck-der-it-20210608\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im B2C-Bereich w\u00fcrde wohl niemand mehr ein Software-Produkt herausgeben wollen, das nicht auch auf dem Handy funktionieren kann. 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