{"id":3335,"date":"2021-02-10T13:13:50","date_gmt":"2021-02-10T12:13:50","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3335"},"modified":"2021-05-13T10:04:54","modified_gmt":"2021-05-13T08:04:54","slug":"wie-sage-ichs-meinem-kinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/wie-sage-ichs-meinem-kinde\/","title":{"rendered":"Wie sage ich&#8217;s meinem Kinde?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Was uns Corona auch vor Augen f\u00fchrt: Die offizielle Schweiz hat wenig Ahnung von Krisenkommunikation.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer von einer globalen Pandemie \u00fcberrascht wird, deren Entwicklung unabsehbar ist, wird sich nicht auf Anhieb richtig verhalten. Es bleibt ihm nur, auf dem langen und steinigen Weg von Versuch und Irrtum dazuzulernen. Deshalb geh\u00f6re ich nicht zu denjenigen, welche unsere Beh\u00f6rden f\u00fcr die getroffenen Massnahmen in Grund und Boden stampfen. Ich halte mich insbesondere auch deshalb zur\u00fcck, weil ich \u2013 offenbar im Gegensatz zur Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer \u2013 nicht ausgebildeter Epidemiologe und Gesundheitsexperte bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich mir jedoch anmasse, ist die Beurteilung der kommunikativen Leistungen rund um Corona. Krisenkommunikation ist eine etablierte Disziplin, bei der auf langj\u00e4hrige Erfahrungen und ausf\u00fchrliche wissenschaftliche Literatur zur\u00fcckgegriffen werden kann. Zugegeben, in diesem Fall gibt es ganz besondere Herausforderungen: die Dauer der Krise, ihre Intensit\u00e4t, aber auch das f\u00f6deralistische Prinzip verteilter Verantwortungen. Und doch, ein paar Dinge fallen schon auf:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erst denken, dann sprechen<\/strong>: Leider f\u00fchlen sich Verantwortliche gezwungen, etwas zu sagen, wann immer ihnen ein Mikrofon (oder ein Diktierger\u00e4t) vor die Nase gehalten wird. Egal was, aber die Air Time muss um jeden Preis genutzt werden. Die nach News lechzenden Medien verwerten jeden Halbsatz in fiebriger Erregung, die Echokammer der sozialen Medien bl\u00e4st das Ganze weiter auf. Deshalb w\u00e4re oftmals mehr gedient mit &#8220;erst denken, dann schweigen&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Empathie vor Technokratie<\/strong>: Erstaunlich, wie oft sich Experten oder Politiker in einem technokratischen, abgehobenen und distanzierten Ton \u00fcber Massnahmen \u00e4ussern, von denen sie wissen m\u00fcssen, dass sie Menschen stark treffen werden, ohne ein Wort des Bedauerns und des Mitgef\u00fchls zu \u00e4ussern. Diese Haltung hat denn auch in der Zivilgesellschaft berechtigterweise zu lautstarken Gegenreaktionen gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Glaube an &#8220;streng geheim&#8221;<\/strong>: Wenn in einem Amt oder gar in einer Regierungsr\u00e4te-Konferenz Corona-Papiere kursieren, so ist es unsinnig davon auszugehen, dass sie vertraulich bleiben. Der Sog von aussen (Medieninteresse), verbunden mit dem Druck von innen (sich zu profilieren oder seine Meinung durchzusetzen), f\u00fchren fast zwangsweise zur Indiskretion. Deshalb sind breiter zirkulierende Dokumente mit Blick auf ihre m\u00f6gliche Sprengkraft zu formulieren und es gilt rechtzeitig zu \u00fcberlegen, wie man auf ein allf\u00e4lliges Leck reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Micromanagement<\/strong>: Gerade bei Massnahmen, die sich an die gesamte Bev\u00f6lkerung richten, wird oft zu wenig \u00fcberlegt, ob ein Normalb\u00fcrger \u00fcberhaupt versteht, was von ihm nun genau verlangt wird. Ebenfalls wird der Zeitfaktor untersch\u00e4tzt, bis sich eine neue Regel als Routine etabliert hat. H\u00fcst und Hott sind daher Gift f\u00fcr Akzeptanz und gute Umsetzung von Massnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prinzip Hoffnung<\/strong>: Es besteht eine starke Neigung, auf die kurze Frist hin zu dramatisieren (um Massnahmen zu begr\u00fcnden) und auf die l\u00e4ngere Frist Optimismus zu verstr\u00f6men, um nicht als Miesepeter oder Kassandra dazustehen: &#8220;Wenn wir jetzt sehr streng sind, ist alles ganz schnell vorbei.&#8221; Dies sp\u00fcren die Adressaten mit der Zeit, nehmen es als&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neusprech\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Neusprech<\/a>&nbsp;wahr und f\u00fchlen sich manipuliert \u2013 was wiederum ein idealer N\u00e4hrboden f\u00fcr Verschw\u00f6rungstheorien ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Glaubw\u00fcrdigkeit als h\u00f6chstes Gut<\/strong>: Wer sich widerspr\u00fcchlich oder absch\u00e4tzig ausdr\u00fcckt oder gar die \u00d6ffentlichkeit anl\u00fcgt, hat verspielt und sollte nicht mehr eingesetzt werden. Gl\u00fcck gehabt, wenn es nur ein Experte ist, der durch ein anderes Gesicht ersetzt werden kann, dumm, wenn es einen vom Volk gew\u00e4hlten Regierungsrat oder gar einen Bundesrat trifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass so oft ges\u00fcndigt wird, hat auch mit dem Stellenwert der \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Beh\u00f6rden und Firmen zu tun. Kommunikation wird als das Verpacken von anderswo beschlossenen Inhalten in medien- und publikumsvertr\u00e4gliche H\u00e4ppchen verstanden. Und wenn dann die Beschl\u00fcsse unsinniger Schrott sind, dann wird auch unsinniger Schrott kommuniziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was hingegen meist fehlt, ist die strategischen Analyse und die psychologische Fundierung der Kommunikation, die schon bei der Entwicklung der Inhalte (in diesem Fall: der Corona-Massnahmen) erfolgen m\u00fcssten, und zwar mit der M\u00f6glichkeit einer R\u00fcckkoppelung. Denn wenn sich etwas als unkommunizierbar erweist, ist es vielleicht auch sonst nicht so sinnvoll\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die letzten Monate mitverfolgt hat, kommt unweigerlich zum Schluss, dass im Rahmen der Pandemie der strategische Aspekt der Kommunikation str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt wurde. Und wenn ich in die Kommunikationsst\u00e4be blicke, sehe ich leider kaum durchsetzungsstarke Strategen und viele tendenziell \u00fcberforderte Nachwuchskr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich danke Kantonsr\u00e4tin&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kantonsrat.zh.ch\/mitglieder\/mitglied\/?id=b7e8643ede1346339081ef0688b2a6cd\" target=\"_blank\">Anne-Claude Hensch Frei<\/a>&nbsp;f\u00fcr die Anregung zu dieser Blogpost.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-wie-sag-ichs-meinem-kinde-20210209\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-do-you-speak-legalese-20200812\" target=\"_blank\">.<\/a> Bildnachweis: <a href=\"https:\/\/www.htr.ch\/story\/mister-corona-mit-der-arosa-humorschaufel-ausgezeichnet-29734.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">htr.ch<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ICT-Branche sei der grosse Pandemiegewinner, heisst es. Doch es IT-Projekte brauchen gute Projektnamen. Diese zu kreieren ist allerdings gar nicht so einfach!<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3336,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[90,93,91],"tags":[],"class_list":["post-3335","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommunikation","category-medien","category-politik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3335"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3335\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3396,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3335\/revisions\/3396"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}