{"id":3325,"date":"2021-01-13T09:07:55","date_gmt":"2021-01-13T08:07:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3325"},"modified":"2021-05-13T10:04:51","modified_gmt":"2021-05-13T08:04:51","slug":"etwas-mit-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/etwas-mit-medien\/","title":{"rendered":"Etwas mit Medien"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Viele meinen, die Medienbranche sei im Niedergang. Kommt darauf an, wohin man schaut.<\/h4>\n\n\n\n<p>In den neunziger Jahren wollte jeder durchschnittlich Unbegabte &#8220;etwas mit Medien&#8221; studieren. Tageszeitungen und Fernsehsender galten als die Arbeitgeber, bei denen die eigene weltanschauliche Schlagseite mit einem fetten Lohn kombiniert werden konnte. Journalisten und Moderatoren waren Rockstars.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch diese Zeiten sind lang schon vorbei, der Niedergang der Branche wurde fast zum Sinnbild f\u00fcr eine Realwirtschaft, welche von der digitalen Welt verschlungen wird. Man schaue sich nur einmal an, wie d\u00fcnn mittlerweile die Print-Ausgaben geworden sind. Es gibt kaum mehr Inserate, um die R\u00fcckseite der News zu bedrucken, die von unterbezahlten Praktikanten zusammengeschustert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Niemand, der bei klarem Verstand ist, w\u00fcrde heute noch in Medien investieren. Niemand? Wenn immer eine Branche als todgeweiht abgeschrieben wird, lohnt es sich besonders, genauer hinzuschauen. In der Tat kommt heute kaum mehr jemand auf die Idee, in eine konventionelle Tageszeitung zu investieren. Es sei denn, er sei Milliard\u00e4r und m\u00f6chte sich einen Bubentraum verwirklichen oder sein Image aufpolieren. Trotzdem, die Medienbranche hat durchaus Potenzial, wenn man weiss, wo die Musik spielt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Medien sind nicht gleich Medien<\/h4>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst m\u00fcssen wir uns einmal von der Vorstellung verabschieden, dass Medien prim\u00e4r Tageszeitungen und TV-Sender sind. Deren Bedeutung nimmt tats\u00e4chlich st\u00e4ndig ab (und damit ihr kommerzieller Wert), selbst wenn man ihre digitalen Outlets mit einbezieht. Um sie herum bl\u00fcht jedoch ein \u00d6kosystem von &#8220;neuen&#8221; Medien, welche vorwiegend im digitalen Raum angesiedelt sind. F\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft sind Medien so wichtig, dass es sich lohnt, einen Blick zu werfen, welche Themen hier Konjunktur haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Strategie, Inhalte grunds\u00e4tzlich kostenlos im Netz anzubieten, um Leser anzuziehen und ihnen Werbung zu pr\u00e4sentieren, ist bekanntlich krachend gescheitert. Die Werbeeinnahmen landen n\u00e4mlich fast ausschliesslich bei Google und anderen Plattformen. Wer nicht extrem schlank produziert, ist auf alternative Einnahmequellen angewiesen. Paid Posts (aka Native Ads) sind eine M\u00f6glichkeit, wenn auch medienethisch nicht \u00fcber alle Zweifel erhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leser so einzubinden, dass sie nicht nur ein Produkt konsumieren (und kaufen), sondern Teil einer Community werden, ist ein gangbarer Weg, um h\u00f6here Ertr\u00e4ge zu genieren. W\u00e4hrend dies bisher in der Lokalberichterstattung noch nicht wirklich gelungen ist, hat es das &#8216;Republik&#8217;-Magazin geschafft, via Crowdfunding und Grossspenden ein einigermassen lebensf\u00e4higes rotgr\u00fcnes Biotop aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die richtige Nische finden<\/h4>\n\n\n\n<p>Anbieter k\u00f6nnen sich auch auf Zielbranchen mit hoher Wertsch\u00f6pfung konzentrieren, und Inhalte liefern, die f\u00fcr viele Leserinnen oder Leser beruflich Pflichtstoff sind. Hier sind abo- und werbefinanzierte Modelle tragf\u00e4hig. Die Finanzbranche, die ICT oder auch die Gesundheit sind solche Nischen mit Potenzial. Dabei gen\u00fcgt es allerdings nicht, einfach Nacherz\u00e4hlungen von Agenturmeldungen oder Tagesmedien zu publizieren, vielmehr braucht es handfeste Recherche durch Journalisten mit Know-how und gutem Netzwerk. Nat\u00fcrlich bedingt dieses Modell neben starken Recherchen auch ein St\u00fcck weit Hofberichterstattung im Stil von &#8220;Hedgefund X lanciert Weltneuheit.&#8221; Aber auch ein investigatives Gegenmodell kann Erfolg versprechen, wie man am Paradeplatz weiss. Zusammengefasst: Qualit\u00e4tsjournalismus ist nicht tot (aber schwer zu finden).<\/p>\n\n\n\n<p>Beliebte Marken nutzen ihre Bekanntheit, um sich in benachbarten Bereichen zu etablieren. So setzt unter anderem TX (ex Tamedia) auf Plattformen, Ringier auf Sport- und Influencer-Marketing. Die &#8216;NZZ&#8217; macht sich im Kongress- und Eventbereich breit (ZFF und SEF) und expandiert publizistisch in den DACH-Raum. Wieder andere Verlage versuchen sich in der Marktforschungsbranche. Brand Extension funktioniert bekanntlich dann, wenn die Marke wirklich stark ist und wenn der neue Markt sowohl zielgruppenm\u00e4ssig als auch produktm\u00e4ssig nahe genug beim Ursprungsmarkt ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">ICT-Tools immer wichtiger<\/h4>\n\n\n\n<p>Ebenfalls zum Medienbereich zu z\u00e4hlen sind die zahlreichen ICT-Tools, welche f\u00fcr einen effizienten Medienbetrieb unabdingbar sind, die aber von Verlegern nicht mehr aus eigener Kompetenz entwickelt werden k\u00f6nnen. Dies sind zum Beispiel spezifische CMS oder auch Analyse- und Recherchetools, bis hin zur Marktforschung und zum Monitoring. Zu diesen Systemen geh\u00f6rt zum Beipiel auch <a href=\"https:\/\/tapwriter.ch\/timeline\">Tapwriter<\/a>, ein Schweizer Startup, auf dem ich gerne selbst eigene Inhalte publiziere. Und auf den f\u00fcr Boulevard und Kurzfutter attraktiven Video-Bereich mit seiner un\u00fcberschaubaren F\u00fclle an technischen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Medien gehe ich gar nicht erst ein, um nicht auszuufern.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit stellt sich fast zwangsl\u00e4ufig noch die abschliessende Frage, wie die Zukunftschancen von&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/inside-it.ch\/\" target=\"_blank\">inside-it.ch<\/a>&nbsp;in dieser neuen Medienlandschaft zu beurteilen sind (in welcher der Erstabdruck diese Blogposts bekanntlich erscheint). Ganz gut, w\u00fcrde ich sagen: Erstens ist digital-only sehr flexibel und effizient \u2013 auch dank Synergien mit &#8216;Medinside&#8217; seit letztem Jahr. Zweitens hat das Medium einen starken Brand, der in der Branche gut verankert ist. Drittens zeigt die Redaktion Kompetenz und Kontinuit\u00e4t; sie ist immer mal wieder f\u00fcr einen Scoop gut. Und viertens nat\u00fcrlich: Die tollen Kolumnisten!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich danke&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/katharinaiten\/\" target=\"_blank\">Katharina Iten<\/a>&nbsp;von&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.willefinance.com\/\" target=\"_blank\">Wille Finance<\/a>, welche mich als erfahrene VC im Digital-Media-Bereich zu diesem Blogpost inspiriert hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right source-indent has-custom-lineheight\" style=\"line-height:1.6;font-size:17px\"><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-etwas-mit-medien-20210112\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-do-you-speak-legalese-20200812\" target=\"_blank\">.<\/a> Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@bank_phrom\">Bank Phrom<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\">Unsplash<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ICT-Branche sei der grosse Pandemiegewinner, heisst es. Doch es IT-Projekte brauchen gute Projektnamen. 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