{"id":3116,"date":"2020-05-07T09:17:15","date_gmt":"2020-05-07T07:17:15","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3116"},"modified":"2020-08-14T09:44:19","modified_gmt":"2020-08-14T07:44:19","slug":"aus-der-taeterperspektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/aus-der-taeterperspektive\/","title":{"rendered":"Aus der T\u00e4terperspektive"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt heute die unendlich vielen, die pl\u00f6tzlich an Videokonferenzen befohlen werden. Und dann gibt es noch die, welche sie organisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona-Pandemie leistet gerade f\u00fcr die Digitalisierung der Welt deutlich mehr als die gesammelten Kampagnen von Staat, Verb\u00e4nden und Firmen des letzten Jahrzehnts. Dabei sind es nicht Hype-Themen wie AI oder Blockchain, welche massiv an Bedeutung gewinnen, sondern so triviale Dinge wie Cloud-Speicher oder Videokonferenzen, welche nun breite Bev\u00f6lkerungsschichten durchdringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Boom der Videokonferenzen ist besonders augenf\u00e4llig. Es ist mittlerweile schon so weit, dass Z\u00fcnfte in der Pandemie das Sechsel\u00e4uten mit einem gemeinsamen Zuprosten via Zoom feiern (selbst erlebt). Mittlerweile gibt es schon recht viele Ratgeber, wie man sich im Rahmen von Videokonferenzen richtig verh\u00e4lt \u2013 so im Stil von &#8220;Es ist besser, wenn keine unbekleideten Mitbewohner durchs Bild huschen.&#8221; oder &#8220;Vor dem Nasenbohren Video abschalten.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Mir geht es aber heute nicht um das Verhalten in, sondern um das Veranstalten von regelm\u00e4ssigen Videokonferenzen oder besser gesagt Video-Meetings, etwas, was ich aufgrund meiner Funktionen h\u00e4ufiger tun muss. Wir wechseln also von der Opferrolle zur T\u00e4terperspektive. Denn auch hier kann man es gut oder besser machen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Greenhorns einf\u00fchren<\/h4>\n\n\n\n<p>Das beginnt damit, dass zunehmend Leute an Videokonferenzen teilnehmen sollen, die noch wenig bis keine Erfahrung damit haben. Es ist extrem st\u00f6rend, wenn die erste H\u00e4lfte des Meetings damit verbracht wird, Leute zu instruieren, w\u00e4hrend alle anderen genervt mith\u00f6ren m\u00fcssen. (&#8220;Dr\u00fccke jetzt auf das Mikrofon-Icon. Nein, nicht auf das Telefon-Icon! Peter? Peter? Mist, jetzt ist er weg!&#8221;). Besser ist es, f\u00fcr Greenhorns einen Testtermin zu organisieren, in welchem alles ausprobiert werden kann und in welchem sie sich akklimatisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Welches System verwenden?<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Angebote f\u00fcr Videokonferenzen sind gerade daran, sich zu vervielfachen. So haben verschiedene Schweizer Provider neue kostenfreie Angebote in Betrieb genommen (die meist auf der Open-Source-Software Jitsi aufbauen). Aber auch die bekannten Namen wie Skype, Teams, Meet, Zoom &amp; Co. sind technologisch und auch von der Sicherheit her so ausgereift, dass sie bedenkenlos eingesetzt werden k\u00f6nnen. Mir gef\u00e4llt auch der sehr schlanke Newcomer Whereby. Was den Datenschutz anbelangt, so verweise ich gern auf spezialisierte Anw\u00e4lte, z.B. auf Martin Eckert von MME, da es wohl den Rahmen der Kolumne sprengen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sicher ganz sch\u00f6n teuer?<\/h4>\n\n\n\n<p>Auch wer nicht Zugang zu einem Firmensystem hat, findet meistens problemlos eine kostenlose Anwendung, teilweise auch als Bundle zu Softwarepaketen (Microsoft, Google z.B.). Mittlerweile geh\u00f6rt sogar das Screen-Sharing zum Standard von Free-Versionen. Je nach den eigenen Bed\u00fcrfnissen muss man schauen, wie stark man die Free-Version ausreizen kann: So wurde der erw\u00e4hnte Zunftanlass mit einer Gratis-Version von Zoom durchgef\u00fchrt, weil sie bis zu 100 Teilnehmern zul\u00e4sst, allerdings nur f\u00fcr maximal 40 Minuten. Wichtig ist in jedem Fall, dass bei PC-Einsatz keine Software eigenh\u00e4ndig heruntergeladen und installiert werden muss \u2013 zur Not also auch via Browser kommuniziert werden kann. Wer in einem professionellen Setting arbeitet und es sich leisten kann, wird nat\u00fcrlich die Features zu sch\u00e4tzen wissen, welche Bezahlversionen bieten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Muss es immer 08.15 sein?<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und so beginnt ein Meeting, das bisher immer um 08.15 Uhr begonnen hat, auch online um diese Zeit. Aber muss das sein? Logistische Sachzw\u00e4nge, welche ein physisches Meeting mitbeeinflussen (z.B. SBB-Fahrplan), fallen weg, so dass es sich zu pr\u00fcfen lohnt, ob es im Homeoffice-Modus nicht vorteilhaftere Zeiten g\u00e4be.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nicht alle Traktanden geeignet<\/h4>\n\n\n\n<p>Da das Verfolgen von Videokonferenzen als Teilnehmer anstrengender ist, sollten Informationstraktanden nicht via Videokonferenz behandelt werden, sondern vorher auf anderem Weg (z.B. schriftlich) kommuniziert und im Meeting nur diskutiert werden (etwas, was nat\u00fcrlich auch bei physischen Meetings sinnvoll w\u00e4re). Auf der anderen Seite eignen sich konfliktgeladene und emotionale Themen eher nicht f\u00fcr Videokonferenzen, da die in diesen Situationen wichtige non-verbale Kommunikation nicht integral verfolgt werden kann und sich auch Beteiligte zu einfach aus der Diskussion verabschieden k\u00f6nnen (&#8220;Sorry, ich habe grad eine schlechte Verbindung.&#8221;).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Auf den Start kommt es an<\/h4>\n\n\n\n<p>Wie bei einer physischen Sitzung sollte es auch online eine kurze &#8220;Aufw\u00e4rmrunde&#8221; geben, bei der vor dem offiziellen Beginn mittels Smalltalk ein Wohlf\u00fchlfaktor erzeugt wird. Im Real Life holt sich dabei jeder einen Kaffee und ein Gipfeli, aber das f\u00e4llt nun flach. Und gegenw\u00e4rtig wird man zwar nicht \u00fcber das Spiel der Fusball-Nati vom Vorabend sprechen k\u00f6nnen, aber auch die Pandemie liefert gen\u00fcgend Gespr\u00e4chsstoff, so dass alle mitreden und -h\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wieso Video?<\/h4>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt muss die Frage gestellt werden, ob es denn Videokonferenzen sein m\u00fcssen. Wenn die Bandbreite schrumpft und die Latenz zunimmt, wird das Mitverfolgen der Voten eine Qual. Bevor man deswegen die Videofunktion bei allen Nicht-Sprechenden abschaltet sollte man sich \u00fcberlegen, ob nicht eine Telefonkonferenz k\u00fcrzer, einfacher, zielf\u00fchrender und weniger anstrengend w\u00e4re. Im Moment wollen einfach alle Videokonferenz machen, weil es &#8220;in&#8221; ist. Aber irgendwann sollte man sich wieder darauf besinnen, was effizient ist. In vielen F\u00e4llen ist es die Telefonkonferenz. Man kann trotzdem auf anderem Weg Screensharing durchf\u00fchren oder auch gemeinsam an Dokumenten arbeiten (z.B. auf Google Docs).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Und nach Corona?<\/h4>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re jammerschade, wenn wir unsere digitalen Skills nach dem Auslaufen der Distanzvorschriften wieder verlieren w\u00fcrden, weshalb wir nicht wieder in den alten Trott zur\u00fcckfallen sollten. Andererseits hat die physische Begegnung Qualit\u00e4ten, die man (noch?) nicht elektronisch substituieren kann: Der kurze bilaterale Blickkontakt, die getuschelte Randbemerkung (die man nicht in einem Chat geschrieben sehen will), und vor allem der Lunch oder das Bier danach. F\u00fcr mich ist daher klar, dass ich in den Gremien, in denen ich f\u00fcr die Leitung zust\u00e4ndig bin, in Zukunft mit einem Mix arbeiten m\u00f6chte. Am liebsten als Chr\u00fczlistich: Abwechselnd physisch und online, vielleicht daf\u00fcr mit h\u00f6herer Kadenz und k\u00fcrzeren Telefonkonferenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings \u2013 und man m\u00f6ge mich da als etwas konservativ schelten \u2013 beim Sechsel\u00e4uten m\u00f6chte ich auf die physische Durchf\u00fchrung schon nicht verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right source-indent has-custom-lineheight\" style=\"line-height:1.6;font-size:17px\"><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-aus-der-taeterperspektive-20200505\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch.<\/a>&nbsp;Photo by&nbsp;<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@cwmonty?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Chris Montgomery<\/a>&nbsp;on&nbsp;<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/video-conference?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt heute die unendlich vielen, die pl\u00f6tzlich an Videokonferenzen befohlen werden. 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