{"id":3108,"date":"2019-06-19T15:17:00","date_gmt":"2019-06-19T13:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.ch\/?p=3108"},"modified":"2020-04-21T15:23:23","modified_gmt":"2020-04-21T13:23:23","slug":"innovationsschub-fuer-bundesbern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/innovationsschub-fuer-bundesbern\/","title":{"rendered":"Innovationsschub f\u00fcr Bundesbern"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Digitalisierungsgeschwurbel feiert weiterhin Hochkonjunktur. Politiker, Konzernchefinnen, Influencer und Evangelistinnen schleudern von den Podien landauf, landab Parolen und Buzzw\u00f6rter ins staunende Publikum. Dieses hat f\u00fcr die Teilnahme am hippen Digitalisierungskongress ein Verm\u00f6gen bezahlt und kann daher gar nicht anders, als schwer beeindruckt zu sein. Man berichtet mir, dass das D-Wort mittlerweile sogar in Home-Storys der Schweizer Illustrierten vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hinter diese Nebelwand aus Schaumschl\u00e4gerei und Selbstdarstellung sieht, stellt ganz erstaunt fest: Doch, die Digitalisierung findet tats\u00e4chlich statt, nicht so glamour\u00f6s, vision\u00e4r und problemlos, wie vorgegaukelt wird, aber sie schreitet unaufhaltsam voran, in bestimmten Branchen rasend schnell, in anderen eher z\u00f6gerlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bereich, in welchem es in der Schweiz am wenigsten vorangeht, ist der&nbsp;Staat, der auf allen Stufen M\u00fche bekundet. Wer sucht, findet zwar immer mal Leuchtt\u00fcrme des digitalen Fortschritts, aber sie stechen gerade deshalb heraus, weil sie die Ausnahme bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Grund, weshalb es hier kaum vorangeht, ist die Kultur. Rechtsstaatlichkeit, Vertrauensschutz und Stabilit\u00e4t sind Werte, die besser gelebt werden k\u00f6nnen, wenn sich m\u00f6glichst wenig \u00e4ndert. Und diese Werte sind an sich richtig und sollen bewahrt werden. Das Problem dabei ist, dass diese Werte Menschen in die Verwaltung anziehen, die fast nicht anders k\u00f6nnen, als innovationsavers zu sein. Um dies aufzubrechen, m\u00fcsste man die F\u00fchrungsebene der Verwaltung mit High-Potentials z.B. aus den Bereichen ICT, Innovation oder auch Forschung verkn\u00fcpfen, und zwar nicht einfach zum freundlichen Austausch, sondern zur konkreten Zusammenarbeit, bei der die Externen quasi als Katalysatoren in die Administration eintauchen und spezifische Auftr\u00e4ge \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun werden wir diese gut ausgebildeten und toppmotivierten Nachwuchskr\u00e4fte, die es daf\u00fcr braucht, nie und nimmer dazu bringen, ihre Karriere in der \u00f6ffentlichen Verwaltung zu verfolgen. Aber vielleicht kann man sie dazu motivieren, ihre Talente auf Zeit f\u00fcr eine gute und spannende Sache zur Verf\u00fcgung zu stellen. Ein denkbares Konzept w\u00e4re zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesverwaltung schreibt Jahresvertr\u00e4ge f\u00fcr High-Potentials mit spezifischen Qualifikationen aus. Diese Personen erhalten die Aufgabe, in einem internen Team der Verwaltung ein zentrales Entwicklungsprojekt voranzubringen. Sie sind in Generalsekretariaten oder Bundes\u00e4mtern angesiedelt und direkt der Chefin oder deren Stellvertreter unterstellt. Zeitgleich k\u00f6nnen leitende Angestellte der Verwaltung in dieser Zeit in eine spezielle Ausbildung oder in ein Austauschjahr geschickt werden, so dass de facto keine Ressourcenaufstockung erfolgt. Um die R\u00fcckkehr ins Business sicherzustellen, w\u00e4re der bestehende privatwirtschaftliche Arbeitsvertrag nicht aufgehoben, sondern nur sistiert und w\u00fcrde nach zw\u00f6lf Monaten wieder aufleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Verwaltung entstehen Mehrkosten, die jedoch durch den Erkenntnisgewinn und den Dynamisierungsschub kompensiert werden. Die Nachwuchskr\u00e4fte profitieren von einem Seitenwechsel durch Erfahrungen, die auf andere Art nicht zu machen sind. Und die angestammten Arbeitgeber erhalten Arbeitskr\u00e4fte zur\u00fcck, die sich auch in einem anderen Umfeld bew\u00e4hren und ihr Netzwerk ausbauen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob dies funktioniert? Keine Ahnung, aber es d\u00fcnkt mich jedenfalls pr\u00fcfenswert. Ob es daf\u00fcr Interesse gibt? Davon bin ich \u00fcberzeugt, wenn man es richtig positioniert. Das entsprechende (wenn auch nicht ganz vergleichbare) Programm in den USA nimmt nur rund f\u00fcnf Prozent der Personen auf, die sich daf\u00fcr bewerben. Daher: Weshalb lancieren wir in der Schweiz nicht ein Immersionsprogramm f\u00fcr mehr Innovation in der Verwaltung? Es kann nat\u00fcrlich nur ein Mosaikstein sein und l\u00f6st nicht alle Probleme, aber einen Versuch w\u00e4re es allemal wert, um dem Staat einen Digitalisierungsschub zu verabreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus R\u00fcckmeldungen weiss ich \u00fcbrigens, dass auch Mitglieder unseres Parlaments diese Kolumne lesen. Diese k\u00f6nnten nun auf die Idee kommen, einen entsprechenden Vorstoss einzureichen. F\u00fcr sie habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Ein Postulat, das in eine \u00e4hnliche Richtung geht, hat Nationalr\u00e4tin Min Li Marti von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20184217\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">der SP bereits eingereicht.<\/a>&nbsp;Die gute: Obwohl der Bundesrat das Postulat annehmen will, gab es einen Ablehnungsantrag aus dem Parlament, so dass man sich also durchaus noch f\u00fcr das Anliegen \u00f6ffentlich und damit w\u00e4hlerwirksam engagieren kann\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien am 11. Juni 2019 in meiner<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/articles\/54676\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch.<\/a>&nbsp;Ob er mithalf, dasss am 12. Juni 2019 das erw\u00e4hnte Postulat von NR Marti im Rat mit grosser Mehrheit \u00fcberwiesen wurde, kann nat\u00fcrlich niemand sagen. Aber geschadet hat er jedenfalls sicher nicht\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bild: Min Li Marti (c) 2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Digitalisierungsgeschwurbel feiert weiterhin Hochkonjunktur. Politiker, Konzernchefinnen, Influencer und Evangelistinnen schleudern von den Podien landauf, landab Parolen und Buzzw\u00f6rter ins staunende Publikum. Dieses hat f\u00fcr die Teilnahme am hippen Digitalisierungskongress&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3109,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[83,2,91],"tags":[],"class_list":["post-3108","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ict","category-news","category-politik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3108","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3108"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3111,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3108\/revisions\/3111"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3109"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}