{"id":2663,"date":"2020-01-15T12:32:40","date_gmt":"2020-01-15T11:32:40","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.cyon.site\/?p=2663"},"modified":"2020-04-17T18:10:15","modified_gmt":"2020-04-17T16:10:15","slug":"medienkunde-mit-katzenbildern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/medienkunde-mit-katzenbildern\/","title":{"rendered":"Medienkunde mit Katzenbildern"},"content":{"rendered":"\n<p><br>\u201eDu bist doch viel in den sozialen Medien unterwegs. K\u00f6nntest du mir nicht einmal erkl\u00e4ren, \u2026\u201c Diese Frage h\u00f6re ich oft, und zwar nicht nur von digital deprivierten B\u00e4ckern, Coiffeusen oder Rentnern, sondern auch von gestandenden ICT-Managern oder Start-up-Unternehmerinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wird im Bereich Social Media heute sehr stark \u00fcber den Begriff \u201esozial\u201c diskutiert, angesichts Emp\u00f6rungsspiralen, Hassreden, Trollkampagnen und Shitstorms ein sehr berechtigter Aspekt. F\u00fcrs Verst\u00e4ndnis wichtiger scheint mir jedoch, den Begriff \u201eMedien\u201c zu hinterfragen. Viele dieser Plattformen sind n\u00e4mlich nicht Medien, sondern Netzwerke.<\/p>\n\n\n\n<p>LinkedIn, Xing und Facebook basieren auf dem Prinzip, dass ich mich (dem Grundsatz nach zumindest) nur mit jemandem verlinken kann, wenn auch er mich akzeptiert. Das Prinzip der Gegenseitigkeit impliziert die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der zwei involvierten Personen (Anfrager und Angefragter). Um erfolgreich zu sein, wird jedes Mitglied des Netzwerks versuchen, auf der Plattform attraktiv und interessant zu wirken, um sein Netzwerk zu erweitern. Vor f\u00fcnf Tagen bekam ich zum Beispiel die LinkedIn-Anfrage einer Person, die sich als \u201eGlobal Influencer und World Expert\u201c andient (und doch habe ich sie schn\u00f6de abgelehnt).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz dazu sind Twitter und Instagram, aber auch Snapchat und Tiktok wirklich Medien, sie basieren auf dem Prinzip von Sender und Empf\u00e4nger. Eine Seite sendet Botschaften aus, die andere ist bereit, diese zu konsumieren, sie evtl. zu kommentieren und weiterzuverbreiten. Es besteht somit ein Gef\u00e4lle. Der Sender will, dass jeder ihn empfangen kann, wer auch immer es ist, Freund, Gegner oder Schwiegermutter. So bin ich zwar auf Twitter Follower unserer Bundespr\u00e4sidentin, sie aber hat keine Ahnung, wer ich bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Je nachdem, ob das Prinzip Gleichordnung oder Unterordnung greift, ist die Beziehungsstruktur v\u00f6llig unterschiedlich: Ob ich mit Roger Federer befreundet bin (und damit auch er mit mir), ist etwas ganz Anderes, als wenn ich ihm einfach folge, weil ich erfahren will, was er zu seinem letzten Spiel meint. Damit ist auch gesagt, dass ich bei Twitter (und Instagram) v\u00f6llig inaktiv als Rezipient unterwegs sein kann, dass ich passiv die mich interessierenden \u201eMedienproduzenten\u201c verfolgen kann, ohne je selbst einen einzigen Tweet bzw. Post abzusetzen. Ich kann das sogar anonym tun und muss mich nicht einmal bei der Plattform anmelden. F\u00fcr Journalisten (und Stalker) eine sehr spannende Konstellation. Dabei ist die Rolle von Sender und Empf\u00e4nger nicht fix verteilt, da jeder (der angemeldet ist) in die eine oder andere Rolle schl\u00fcpfen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil viele das Netzwerk-Prinzip von Facebook im Kopf haben, durchschauen sie die mediale Power von Twitter nicht: Jeder Tweet, der abgesetzt wird, kann von jedermann sofort auf der ganzen Welt eingesehen werden. Das \u201eFollowen\u201c dient nur dazu, aus diesem Universum an Botschaften die Auswahl effizienter zu treffen. Facebook hat dies schon l\u00e4nger erkannt und stellt auch M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung, um als Medium zu senden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese spezielle Qualit\u00e4t ist der Grund, weshalb Twitter bei Medienleuten als Recherchetool so beliebt ist, und warum in der Folge insbesondere Politiker diese B\u00fchne sehr aktiv bespielen. Oftmals erfahre ich wichtige Entwicklungen auf Twitter, lange (= Minuten bis Stunden) bevor die klassischen Medien diese als \u201eBREAKING\u201c pushen. Nat\u00fcrlich setzt dies voraus, dass ich den richtigen Leuten folge. Oftmals sind Betroffene, Aktivisten und News-Journalisten die schnellsten Info-Lieferanten. Wie wir alle wissen, bedeutet allerdings schnell nicht unbedingt akkurat und richtig \u2013 und schon gar nicht neutral und objektiv. Dies ist insofern unproblematisch, als die \u201eTweetosphere\u201c sofort auf Falschinformationen reagiert; Korrekturen von dritter Seite folgen auf dem Fuss. Zu bewerten, wo die Wahrheit und die Fakten wirklich liegen, ist nat\u00fcrlich eine ganz andere Geschichte \u2013 welche auch den klassischen Medien Kopfzerbrechen bereiten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich \u00fcber die F\u00fclle an unfl\u00e4tigen, falschen, b\u00f6sartigen, dummen und hasserf\u00fcllten Inhalten beschwert, sollte sich die Frage stellen, weshalb denn dieser Content unter seine Augen gelangt. Besonders bei den Netzwerken sehe ich als Nutzer nur den Ausschnitt der Plattform, mit dem ich mich verbunden habe, bei den Medien diejenigen Sender, denen ich folge. Wenn darunter mehr radikale Islamisten oder Neonazis als katzenvernarrte Grossm\u00fctter und Ikebana-Fans sind, dann sollte ich mich selbst an der Nase nehmen. Z\u00fcgeln der Neugier bzw. der Gier nach Sensationen und extremen Inhalten ist durchaus angebracht, weil einen der st\u00e4ndige Kontakt mit abstossenden Inhalten ganz sch\u00f6n runterziehen kann. Psychohygiene kann in diesem Bereich sicher nicht schaden!<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ruft die eingangs erw\u00e4hnte Frage nach Sinn und Funktion von sozialen Medien immer wieder in Erinnerung, dass die \u00fcberwiegende Mehrheit der Menschen auch in unserer Branche problemlos gut damit leben kann, nicht Teil dieser Filterblasen zu sein. All diese Junkies, die meinen, sie seien damit stets am Puls des Geschehens. Zu denen geh\u00f6re ich selbst nat\u00fcrlich nicht, muss allerdings die Kolumne jetzt grad etwas abrupt beenden, denn soeben haben @realdonaldtrump und @speakerpelosi begonnen, sich dr\u00fcben auf Twitter zu battlen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:17px;line-height:1.6\" class=\"has-text-align-right source-indent has-custom-lineheight\"><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/de\/post\/von-hensch-zu-mensch-medienkunde-mit-katzenbildern-20200114\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch.<\/a>\u00a0Foto:\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/unsplash.com\/@merakist?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\" target=\"_blank\">Merakist<\/a>\u00a0on\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/social-media?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\" target=\"_blank\">Unsplash<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDu bist doch viel in den sozialen Medien unterwegs. K\u00f6nntest du mir nicht einmal erkl\u00e4ren, \u2026\u201c Diese Frage h\u00f6re ich oft, und zwar nicht nur von digital deprivierten B\u00e4ckern, Coiffeusen&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2664,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[90,93],"tags":[],"class_list":["post-2663","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommunikation","category-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2663"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2688,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2663\/revisions\/2688"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2664"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}