{"id":2659,"date":"2019-12-11T10:24:00","date_gmt":"2019-12-11T09:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/hens.cyon.site\/?p=2659"},"modified":"2020-04-21T15:16:19","modified_gmt":"2020-04-21T13:16:19","slug":"negativ-sind-nicht-nur-die-zinsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hens.ch\/en\/negativ-sind-nicht-nur-die-zinsen\/","title":{"rendered":"Negativ sind nicht nur die Zinsen"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor ein paar Tagen nahm ich am Fintech Investor Day des Swiss ICT Investor Club&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.sictic.ch\/\" target=\"_blank\">SICTIC<\/a>&nbsp;teil, an welchem unter anderem ein Dutzend hoffnungsfroher Firmengr\u00fcnder um Seed Money aus dem Publikum buhlten. Dabei ist mir einmal mehr klar geworden, wie schwer es ist, diese innovativen Ideen und Konzepte mit dem traditionellen Business der Banken zu verm\u00e4hlen. Warum tun sich Schweizer Banken im Vergleich zu Firmen aus anderen Wirtschaftsbereichen derart schwer, auf die Herausforderungen der Digitalisierung ad\u00e4quat zu reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei haben zahlreiche Institute Initiativen lanciert, mit denen sie Fintechs unterst\u00fctzen (oder in anderer Lesart: an sich binden) wollen. Und Banken-Dienstleister SIX Group betreibt in Z\u00fcrich mit&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.f10.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">F10<\/a>&nbsp;einen Incubator und Accelerator, der sich schlicht als \u201eHome of Fintech\u201c bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Aus meiner Sicht ist es eine Vielzahl von Gr\u00fcnden, welche&nbsp;die Entwicklung hemmen<\/h4>\n\n\n\n<p>Beginnen wir mit der IT. Da muss man den Banken zugutehalten, dass sie vielfach noch mit einer Uralt-Legacy-Infrastruktur im Maschinenraum k\u00e4mpfen, welche die volle Integration neuer digitaler Produkte entweder zum Risiko oder aber zum Murks machen. Murks deshalb, weil aufw\u00e4ndige Workarounds nicht wirklich effizient sein k\u00f6nnen. Da ist es schon wesentlich einfacher, auf der gr\u00fcnen Wiese neu anzufangen, aufbauend auf neuester Technologie. Cobol und Java, das beisst sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann trifft sicher zu, dass es sich Banken doppelt \u00fcberlegen, in Gesch\u00e4ftsfelder vorzustossen, in denen ihre traditionell hohen Margen (und L\u00f6hne) nicht mehr zu erzielen sind. Schlimmer noch, neue Konzepte k\u00f6nnen die bestehende Margenstruktur dauerhaft sch\u00e4digen. Es steht ja ausser Frage, dass die Beratung durch geschniegelte Berater im noblen Ambiente der Bahnhofstrasse von Kunden als wertiger empfunden wird als die Abfertigung durch einen Robo-Advisor.<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/articles\/55927\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Robo-Advisor<\/a>. Ein weiteres Problem liegt in der bestehenden Kundenbasis. Diese zeigt sich in ihrer Mehrheit nicht sehr aufgeschlossen gegen\u00fcber Innovationen. Lohnt es sich also, die paar Hipster als Neukunden zu gewinnen, wenn man gleichzeitig langj\u00e4hrige Stammkunden vergr\u00e4tzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich f\u00fcrchten die Banken auch die regulatorischen Risiken neuer Gesch\u00e4ftsbereiche. Dies betrifft sie zwar nicht allein, aber ganz besonders. Und nach den kostspieligen Auseinandersetzungen mit Justiz und Finanzmarkt-Aufsicht, von den v\u00f6llig \u00fcberdrehten Anforderungen des Geldw\u00e4schereigesetzes einmal ganz abgesehen, sind sie doppelt vorsichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer den Eiertanz miterlebt, den es braucht, nur schon, um f\u00fcr ein Startup ein Konto zu er\u00f6ffnen (soeben selbst erlebt), oder als Auslandschweizer, oder wer Kryptow\u00e4hrungen deponieren m\u00f6chte, verzweifelt etwas. Erst seit einem Monat bietet eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.seba.swiss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schweizer Bank<\/a>&nbsp;die M\u00f6glichkeit, Bitcoins &amp; Co. zu verwahren und in Fiat-Geld umzuwandeln. Bezeichnenderweise ist dieses Institut eine Neugr\u00fcndung auf der gr\u00fcnen Wiese\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ein letzter Grund, den ich f\u00fcr das Hinterherhinken der Banken anf\u00fchren m\u00f6chte, ist die Einstellung des obersten Managements. Die f\u00fchrenden K\u00f6pfe wissen zwar theoretisch um die Bedeutung der Digitalisierung, scheuen es aber wie der Teufel das Weihwasser \u2013 zumindest im eigenen Institut. Ich hatte vor zwei Jahren die Gelegenheit, t\u00eate-\u00e0-t\u00eate mit einem Schweizer Bankchef zu sprechen. Ich musste feststellen, dass er von Crowdfunding und Crowdlending keine Ahnung hatte. Revolut? Nie geh\u00f6rt. Sinnigerweise fand das Gespr\u00e4ch auf einer Reise durchs Silicon Valley statt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hoffnung, man k\u00f6nne ja immer noch warten, bis sich ein Startup etabliert und es dann aufkaufen, d\u00fcrfte sich als Illusion erweisen. Erstens zeigt sich, dass die Integration von Startups in so starre Gef\u00fcge wie Banken selten klappt und zweitens, dass noch potentere Kaufinteressenten in Form von Tech-Giganten Tech-Welt in Lauerstellung sind. Womit wir wieder bei der IT-Branche angelangt w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoffentlich t\u00e4usche ich mich ja, aber alles in allem kann ich deshalb nicht optimistisch sein: F\u00fcr die Schweizer Banken sind nicht nur die SNB-Zinsen negativ, negativ sind auch die langfristigen Aussichten. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr uns ist ja ihre volkswirtschaftliche Bedeutung in der Schweiz schon seit einiger Zeit im Abnehmen begriffen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:17px;line-height:1.6\" class=\"has-text-align-right source-indent has-custom-lineheight\"><em><em><em><em><em><em>Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/articles\/56365\" target=\"_blank\">Kolumne \u201cVon Hensch zu Mensch\u201d auf inside-it.ch und inside-channels.ch.<\/a>&nbsp;Foto:&nbsp;<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@tjevans?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Tim Evans<\/a>&nbsp;auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/bank?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen nahm ich am Fintech Investor Day des Swiss ICT Investor Club&nbsp;SICTIC&nbsp;teil, an welchem unter anderem ein Dutzend hoffnungsfroher Firmengr\u00fcnder um Seed Money aus dem Publikum buhlten.&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2063,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-2659","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ict"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2659"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3107,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2659\/revisions\/3107"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2063"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hens.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}